Kolumnen
Bilanzen: Was ist Wahrheit?

Das neue Jahr rückt langsam in Sichtweite. Und damit eine neue Regel, nach der US-Unternehmen (und solche, die nach US-Standard veröffentlichen) die Kosten von Optionsprogrammen bilanzieren müssen.

Das neue Jahr rückt langsam in Sichtweite. Und damit eine neue Regel, nach der US-Unternehmen (und solche, die nach US-Standard veröffentlichen) die Kosten von Optionsprogrammen bilanzieren müssen. Eine gute Idee?



In der Vergangenheit haben die Konzerne häufig derartige Programme eingesetzt, statt ihren Leuten direkt Prämien zu bezahlen. Der Vorteil war: Die Optionen erscheinen nicht in der Bilanz. Das hat auch eine gewisse Logik: Wenn ein Unternehmen direkt Prämien zahlt, dann muss es dafür Geld in die Hand nehmen - also muss das auch verbucht werden. Wenn ein Konzern Aktienoptionen in die Hand nimmt, muss er dafür kein Geld in die Hand nehmen, sondern lediglich Aktien ausgeben.

Diese Programme wirken sich also nur indirekt aus: Es kommen immer mehr Aktien in Umlauf. Das senkt im Zweifel den Kurs. Außerdem schmälert es die Bedeutung jeder einzelnen Aktie - das ist die so genannte Verwässerung. Deswegen spielt ja auch in den USA bei den Ergebnissen pro Aktie die Untersc hiedung "verwässert" oder "nicht verwässert" so eine große Rolle.

In der Praxis nimmt das Unternehmen dann im Endeffekt doch wieder Geld in die Hand: Es kauft Aktien zurück. Das Geld fließt also doch, aber indirekt: Der Konzern gibt Aktien aus und kauft sie wieder zurück - unter dem Strich fließt also in etwa dieses Geld an die Mitarbeiter.

Die neuen Bilanzregeln zwingen die Unternehmen, diesen Effekt direkt zu verbuchen. Das ist einerseits löblich -schließlich werden nur so die indirekten Kosten sichtbar. Die Sache ist aber zugleich höchst problematisch. Denn die Bilanzierung entfernt sich so noch mehr von den realen Vorgängen im Unternehmen. Es werden Kosten bilanziert, die so gar nicht anfallen, sie müssen daher auf kompliziertem Weg berechnet bzw. geschätzt werden. Damit wird der Zusammenhang zwischen Ein- und Auszahlungen des Unternehmens und Bilanzierung noch deutlich als bisher entkoppelt. Die Bilanz bildet nicht mehr ab, was im Unternehmen passiert, sonder n sie wird so eine Art umfassendes Bewertungsinstrument - mit vielerlei Manipulationsmöglichkeiten. Dieser Trend ist auch in anderen Bereichen zu beobachten - wenn etwa künftige Verpflichtungen abdiskontiert und bilanziert werden müssen.

Die Gefahr besteht, dass so eine Art Pseudogenauigkeit entsteht. Das altmodische deutsche Bilanzrecht, das in vielen Bereich immer noch in Kraft ist, hat Mängel und verzeichnet in vielen Punkten die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens. Aber es ist relativ simpel, und man weiß wenigstens so ungefähr, wie es wirkt. Die angelsächsischen Regeln, zumal in ihren immer moderneren Formen, bilden in der Theorie alles ganz exakt ab. In der Praxis versteht niemand mehr, wie überhaupt bilanziert wird.

Bringen wir es mal auf den Punkt: Manchmal ist es einfacher, wenn ich weiß, dass mir jemand Märchen erzählt, als wenn mir jemand was erzählt, was ich gar nicht nicht verstehe. Bei den Märchen habe ich eine Chance, den wahren Gehalt der Sache wenigstens zu erahn en... Vielleicht wäre es daher besser, die "virtuellen" Kosten von Aktienoptionsprogrammen einfach getrennt und deutlich auszuweisen, statt sie gleich unterzumengen....

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