Billigflieger
Ryanair: Grüße aus der Wirklichkeit

Selbst Ryanair tut sich schwer damit, bei einem Ticketpreis von einem britischen Pfund für den Flug London - Krakau (ohne Gepäck) etwas zu verdienen. Doch nun warnt die Billigfluglinie sogar, dass die Ticketpreise noch einmal um 20 Prozent fallen. Daraufhin fiel erstmal der Aktienkurs.
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Investoren hätten es wissen müssen. Ryanair wächst rapide und will 2009 15 Prozent mehr Passagiere transportieren. Dass diese Expansion teuer wird, war vorauszusehen. Um inmitten einer Rezession die Plätze zu füllen, muss man die Preise senken. Schon im ersten Quartal fielen diese um durchschnittlich 13 Prozent und Ryanair rechnet mit 15 bis 20 Prozent Einbruch im Jahresverlauf.

Analysten gingen von 388 Millionen Euro Nettogewinn für 2009 aus und lagen damit weit höher als die Vorgabe von 200-300 Millionen Euro. Doch es kann nur im Sinne von Ryanair liegen, wenn durch das bärige Auftreten Rivalen aufgeschreckt und Zulieferer in die Enge getrieben werden. Die PR-Maschinerie der Fluglinie unter Leitung des ungekünstelten Firmenbosses Michael O?Leary ist bekannt für ihren hohen Output an heißer Luft.

Vergangene Woche etwa verlautbarte Ryanair, dass die Kapazitäten am Londoner Flughafen Stansted wegen der hohen Flughafengebühren im Winter um 40 Prozent fallen werden. Doch Ryanair fährt in den Wintermonaten den Betrieb immer herunter. Man könnte ebenso orakeln, dass der Verkauf von Bademoden mit sinkenden Temperaturen zurückgehen wird.

Doch der Druck auf die Ticketpreise wird nachlassen, denn Ryanairs Rivalen schrumpfen. Die Fluglinie wird sich mehr Zusatzkosten einfallen lassen, um die Auswirkung der gesunkenen Flugpreise zu dämpfen, zudem ist der Sprit günstiger. Das anhaltend schwache Pfund könnte zudem mehr Touristen nach Großbritannien locken.

Lufthansa, Air France-KLM und British Airways stehen vor einem Kapitalverbrauch (cash burn) oder sind mittendrin. Ryanair hingegen sitzt auf 2,5 Milliarden Euro Cash im Gegenzug zu Nettoschulden von nur 105 Millionen Euro. Wenn sich jemand einen Preiskrieg leisten kann, dann ist es Ryanair. Kein Wunder, dass auch die Aktien der Rivalen einen Sturzflug hingelegt haben.

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