Billigflieger
Unruhe bei Easyjet

Der Gründer von Easyjet hat sich mit dem Board der Fluggesellschaft hinsichtlich der fundamentalen Strategie der Billig-Airline überworfen. Stelios Haii-Ioannou will ein langsameres Wachstum durchsetzen und 2011 Dividenden sehen. Angesichts der Rezession scheint dies der falsche Kurs zu sein. Und sie könnte dem Aktienkurs schaden.

Stelios Haji-Ioannou hat Recht, wenn er sagt, dass er mehr als alle andere zu verlieren hat, wenn bei dem Billigflieger Easyjet Unruhe ausbricht. Er und seine Familie kontrollieren fast 40 Prozent der Fluglinie, die Stelios gegründet hat. Um so mehr verblüfft denn auch sein jüngstes Vorgehen.

Stelios hat sich mit dem Board des Carriers überworfen, was die Zukunftsstrategie von Easyjet angeht. Er will, dass die Gesellschaft ihren Wachstumskurs aufgibt und sich verpflichtet, 2011 eine Dividende zu zahlen. Die erste Forderung sieht zwar recht extrem aus, wäre aber noch zu rechtfertigen, wenn er davon ausginge, dass der wirtschaftliche Abschwung brutal ausfällt.

Aber Easyjet hat ihre Expansionspläne ohnehin schon abgeschwächt. Die 35 neuen Flugzeuge, die ihrer aus 165 Maschinen bestehenden Flotte hinzugefügt werden sollen, stammen noch aus einem Ultrabillig-Deal mit Airbus aus dem Jahr 2002. Die Konkurrentin Ryanair ist da viel ambitionierter. Darüber hinaus schneiden Billigflieger in einer Rezession tendenziell eher gut ab, da die Passagiere auf die kostengünstigeren Anbieter umsteigen. So entwickelte sich zum Beispiel Southwest, der alt gediente US-Anbieter von Billigflügen, in vier der fünf vorhergehenden Rezessionen besser als der US-Aktienmarkt.

Aber selbst wenn Stelios mit seinen Ansichten zur Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Jahren Recht behält, hört sich die Forderung nach einer Nachrezessionsdividende wie ein Aufruf an, sich vom Wachstum zu verabschieden. Das erscheint voreilig - und wäre schlecht für den Aktienkurs. Billigfluggesellschaften tendieren bei der Bewertung zu einem Vielfachen der Ergebnisse von 15, berechnet Citigroup. Alteingesessene Carrier wie British Airways erreichen tendenziell ein Vielfaches von zehn.

Der Krach ist an sich schon beunruhigend. Investoren schätzen es nicht, wenn Unternehmen vom Board kein klarer strategischer Kurs vorgegeben wird. Und der Easyjet-Board scheint eindeutig zerstritten zu sein. Unabhängige Board-Mitglieder sollen schon mit ihrem Rücktritt gedroht haben, falls Stelios sein Recht in Anspruch nehmen würde, sich selbst zum Chairman zu ernennen. Manchmal kann ein Streit im Verwaltungsrat ja ganz heilsam sein, dieser hier aber mutet extrem an.

Stelios behauptet, er wolle nicht Chairman werden. Er behauptet auch, dass er das Geld nicht braucht. Wenn dem tatsächlich so ist, dann muss er überzeugendere Argumente vorbringen, wenn er die DNA von Easyjet ändern will.

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