BIP
US-Regierung steckt in der Zwickmühle

Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist im dritten Quartal trotz der enormen Liquiditätszufuhren durch die amerikanische Regierung zurückgegangen – wenn auch nur geringfügig. Die US-Notenbank kann nicht in alle Ewigkeit das Gaspedal durchdrücken – eine lockere Fiskal- und Geldpolitik fordern die Inflation und Kreditprobleme heraus. Den politisch Verantwortlichen stehen unangenehme Entscheidungen ins Haus.

Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal - wenn auch nur um 0,3 Prozent - rückläufig und zwar trotz der enormen Liquiditätsspritzen durch die amerikanische Regierung. Bei einer Inflation von über fünf Prozent und einem Defizit, das sich auf eine Bill. Dollar zu bewegt, wird Uncle Sam nicht mehr ewig das Gaspedal durchdrücken können. Die politisch Verantwortlichen geraten in eine echte Zwickmühle.

Der eigentliche Hemmschuh in diesem Quartal war der Verbraucher. Die Verbraucherausgaben sind zu einer Jahresrate von 3,1 Prozent gesunken, und damit im schnellsten Tempo seit 1980. Teilweise ist dies als Reaktion auf die Steuerrückerstattungen im zweiten Quartal zu werten. Allerdings ist der reale Konsum im dritten Quartal hinter allen vier vorhergehenden Quartalen zurückgeblieben und war selbst geringfügig niedriger als im dritten Quartal 2007.

Das reale BIP ist im vergangenen Jahr nur um 0,8 Prozent gewachsen, das ist niedriger als die Wachstumsrate der US-Bevölkerung von einem Prozent. Auf Pro Kopf-Basis befinden sich die USA also bereits in einer Rezession. Wichtiger noch: Der Pro-Kopf-Verbrauch ist im Vorjahresvergleich um ein Prozent geschrumpft, was teilweise die wachsende Unzufriedenheit der Wähler erklärt.

Für das vierte Quartal rechnen die Volkswirte im Mittel der Prognosen wegen der Kreditkrise derzeit mit einer Verringerung des BIP auf Jahresbasis um 2,8 Prozent, gefolgt von einem auf das Jahr hochgerechneten Rückgang von 1,5 Prozent im ersten Quartal. Wenn diese Schätzungen zutreffen, dann ergibt sich eine BIP-Abschwächung von der Spitze bis zur Talsohle von 1,2 Prozent. Das wäre schlimmer als die Rezession im Jahr 2001 und marginal schlechter als die der Jahre 1990/91. Ein Abschwung wie 1974 oder 1980/82, als das BIP um etwa drei Prozent geschrumpft war, würde jedoch nicht erreicht.

Allerdings spielt sich die moderate Rezession, die derzeit vorhergesehen wird, vor dem Hintergrund kräftig negativer realer Zinsen und eines anschwellenden Haushaltsdefizits ab, das auf sieben Prozent des BIP zusteuert. Da die Immobilien- und Aktienmärkte instabil sind, würde ein Anziehen der steuer- und geldpolitischen Zügel, um diese Probleme zu korrigieren, fast sicher zu einer weiteren Schwächung des BIP führen und damit entweder die Rezession verlängern oder ihre Ausprägung verstärken oder beides. Der Gewinner der US-Präsidentschaftswahlen in der kommenden Woche wird einige unangenehme Entscheidungen zu treffen haben.

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