Bitte keine voreilige Rückkehr zur “Normalität”
Banken: Kommt die Erholung zu früh?

Vergebung ist etwas Wunderbares. Kommt sie allerdings zu früh, besteht die Gefahr, dass die Schurken ihren bösen Weg erneut verfolgen. Jetzt sieht es ganz danach aus, als ob die Märkte Teilen des Finanzsystems zu früh verzeihen wollten. Während die meisten Wirtschaftsindikatoren noch nach unten zeigen, scheinen die Märkte alles daranzusetzen, die Fakten positiv zu interpretieren.
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Vergebung ist etwas Wunderbares. Kommt sie allerdings zu früh, besteht die Gefahr, dass die Schurken ihren bösen Weg erneut verfolgen. Jetzt sieht es ganz danach aus, als ob die Märkte Teilen des Finanzsystems zu früh verzeihen wollten.

Während die meisten Wirtschaftsindikatoren noch nach unten zeigen, scheinen die Märkte alles daranzusetzen, die Fakten positiv zu interpretieren. Ein paar Zahlen deuten darauf hin, dass ein bisschen euphorische Stimmung aus den Jahren der unbeschwerten Kreditvergaben zurückzukehren scheint.

Das US-Handelsdefizit stieg im März auf 28 Milliarden Dollar, nach 26 Milliarden im Februar. Die Märzzahlen lagen damit immer noch um mehr als die Hälfte unter dem Rekorddefizit von 63 Milliarden Dollar im vergangenen Juli. Aber der negative Saldo nahm zum ersten Mal seitdem wieder zu. Die Hauptursache für den neuerlichen Anstieg im Monatsvergleich lieferte der Ölpreis. Er schnellte in weniger als drei Monaten um 50 Prozent nach oben, obwohl die Nachfrage immer noch schwach ist und die Lagerbestände gestiegen sind. Hier scheinen die Gelder von Rohstoffinvestoren eine große Rolle zu spielen.

Die Banker haben ihre Weltuntergangsstimmung definitiv abgelegt. Ihre Handelsgewinne nehmen zu, die Aktienkurse haben sich deutlich erholt und immer mehr Marktteilnehmer glauben daran, dass ihre Aktien wieder dauerhaften mit zweistelligen Raten wachsen werden. Die Multimillionen-Boni der Banker scheinen nicht länger der Vergangenheit anzugehören.

Bleibt es bei dieser Situation, dann wird der Wille, das globale Finanzgefüge neu zu ordnen – der noch auf dem G20-Gipfel im April deutlich spürbar war – schnell wieder verfliegen. Die USA und Großbritannien könnten erneut deutlich über ihre Verhältnisse leben und die Mittel, die ihre Gläubiger wieder bereitwillig zur Verfügung stellen, könnten die Finanzmärkte erneut aufblähen. Vielleicht gelingt es den Bankern sogar, die Politiker davon zu überzeugen, dass die Forderungen nach einer strengeren und besseren Finanzaufsicht überzogen waren.

Eine solche Kehrtwende dürfte die sonnigen Zeiten für eine Weile zurückbringen. Das aber würde nichts daran ändern, dass das Ungleichgewicht auf den Kapitalmärkten auf die Dauer nicht haltbar ist. Früher oder später wird dem neuen Boom der nächste Einbruch folgen.

Und der nächste Finanzkollaps wird aller Voraussicht nach schlimmer ausfallen als der, der jetzt vielleicht zu Ende geht – so schwer das im Augenblick vielleicht auch vorstellbar sein mag. Selbst wenn die Flucht der Anleger noch nicht zu einem Zusammenbruch des Dollar führen sollte, werden die hochverschuldeten Regierungen und strapazierten Zentralbanker kaum in der Lage sein, die Märkte erneut zu stimulieren.

Anleger begrüßen jetzt vielleicht die wieder freundlichere Stimmung an den Finanzmärkten, aber diese Vergnügen wäre weitaus größer, wenn es noch eine Weile auf sich warten ließe. Was der Markt jetzt braucht, ist Wachsamkeit.

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