Bitten und Betteln
Kreditnot macht Firmen zu Bittstellern

Unternehmensschulden in Höhe von vier Billionen Dollar stehen zur Refinanzierung an. Der Anleihemarkt bietet sich an, ist aber teuer. Die staatlichen Rettungsprogramme könnten die Lage noch verschlimmern. Wenn die Banken nicht dazu animiert werden, wieder Kredite zu vergeben, könnten auch gesunde Unternehmen vor die Hunde gehen - und letztendlich die Banken mitreißen.

Unternehmensfinanzierung: "Bailout", also Rettungsaktion, wurde vom Merriam-Webster-Lexikon zum Wort des Jahres 2008 gewählt. "Refinanzierung" hat gute Chancen, der Favorit des kommenden Jahres zu werden. Weltweit müssen Unternehmen in den kommenden 18 Monaten 4 Billionen Dollar zurückzahlen oder umschulden. Die Auseinandersetzung mit dieser Summe - sie entspricht in etwa dem japanischen BIP - erscheint wie die nächste Phase der globalen Finanzkrise.

In normalen Zeiten haben Unternehmen zwei Möglichkeiten, wenn der Fälligkeitstermin eines Kredits näher rückt. In Europa gehen die meisten zu ihrer Bank. Dieser Weg steht ihnen immer noch offen, er ist aber steiler geworden, seit die Banken in die Krise geschlittert sind. Einige Kreditinstitute mussten ganz schließen oder wechselten den Besitzer, wodurch die verfügbaren Kreditsummen zusammengeschrumpft sind. Alle Banken versuchen, ihr ausstehendes Kreditvolumen abzubauen. Sie wollen damit die vorangegangenen Exzesse kompensieren.

Dort, wo die Banken noch Kredite geben, sind sie teurer und wählerischer geworden. Wer hohe Barmittel erwirtschaftet und in krisenfesten Branchen beheimatet ist, wie zum Beispiel in der Basis-Konsumgüterindustrie oder der Energiewirtschaft, findet am ehesten Gehör. Aber selbst dann könnte der typische Kredit nur noch über eine Laufzeit von knapp unter einem Jahr gewährt werden und nicht mehr wie früher für fünf. Einige Kreditinstitute schließen Verträge mit im Zeitverlauf wachsendem Zins, um die Schuldner zu veranlassen, möglichst schnell zurückzuzahlen. Die Zuschläge können nach Angaben eines leitenden Bankers bis zu 3 Prozentpunkte erreichen. Weniger robuste Kunden stehen damit vor der wenig beneidenswerten Wahl, im nächsten Jahr wieder anzuklopfen oder gleich gar nicht mehr wiederzukommen.

Wer Voraussicht bewies, versorgte sich mit Kreditlinien, bevor die Krise zuschlug. Aber die Banken setzen alles daran, ihre Kunden davon abzuhalten, auf die niedrigverzinslichen Kredite zurückzugreifen. Einige argumentieren, die Aktionäre könnten die Verwendung der Mittel als Verzweiflungstat interpretieren. Andere versuchen die Unternehmen zu überreden, ihre mittelgroßen Kreditreserven doch gegen neue, größere und sehr viel teurere einzutauschen.

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