Blackberry
Übertriebene Erwartungen

Der Blackberry-Hersteller RIM musste zusehen, wie seine Aktien auf Talfahrt gingen, nachdem die Entlassungswelle über die Wall Street hereingebrochen ist. Dort ist das Gerät mit Suchtpotenzial lebenswichtig. Die neue Ausrichtung der Firma auf den ganz gewöhnlichen Verbraucher mag dazu beitragen, dass sie mehr Telefone verkaufen und ihre Wachstumsgeschichte am Leben halten kann. Doch bei dem üppigen Aufschlag gegenüber den Konkurrenten sind die Erwartungen zu hoch.

Blackberries gehören auf der Wall Street zu den wichtigsten Handelsgütern. Seit drei Monaten bauen die Investmentbanken nun Stellen ab und so ist es keine allzu große Überraschung, dass die von ihrer Wachstumsgeschichte getriebenen Aktien des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) in diesem Zeitraum um über 30 Prozent gefallen sind. Aber indem RIM ein neues billiges Telefongerät und Partnerschaften mit Verbraucher-Websites anbietet, verlagert die Firma ihren Blickwinkel und visiert den ganz gewöhnlichen Konsumenten an. Dies sollte seine Wachstumsgeschichte am Leben erhalten. Doch da die Aktien des Unternehmens mit einem beträchtlichen Aufpreis gegenüber seinen Wettbewerbern gehandelt werden, sieht es ganz so aus, als ob die Erwartungen an RIM übertrieben sind.

RIM hat in den vergangenen zwei Jahren ein Schwindel erregendes Wachstum erlebt. Die Aktien sind in diesem Zeitraum um über 250 Prozent gestiegen. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um 98 Prozent auf sechs Mrd. Dollar geklettert und die Betriebsgewinnspannen haben sich ebenfalls ausgeweitet. Aber seitdem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Investmentbanken und andere Branchen, in denen Blackberries unabdingbar sind, in Mitleidenschaft ziehen, war klar, dass RIM dieses Wachstum nicht aufrechterhalten kann. Die Firma beherrscht 80 Prozent des Unternehmensmarkts und diese Geschäftskonten machen sechzig Prozent ihres Umsatzes aus.

Also hat sich der Hersteller des Geräts mit Suchtpotenzial entschlossen, es mit dem Privatverbrauchermarkt aufzunehmen. In der vergangenen Woche hat das Unternehmen sein erstes aufklappbares Handy vorgestellt, das im Einzelhandel zu etwa 50 Dollar angeboten wird. Das Flip-Phone dürfte ein Renner werden - rund 70 Prozent der Mobiltelefone sind aufklappbar. Und Verträge mit verbraucherorientierten Partnern wie MySpace und Ticketmaster könnten Mainstream-Nutzer anlocken. RIM könnte im ersten Jahr sieben Millionen dieser Geräte verkaufen, schätzen die Analysten von RBC, das entspricht fast der Hälfte ihres derzeitigen Abonnentenstamms.

Aber das wird immer noch nicht ausreichen, um den Aktienkurs von RIM zu rechtfertigen. Die Titel werden zu fast dem 2,5fachen des zukünftigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von Nokia, dem Absatzweltmeister bei Smartphones, gehandelt. Um diesem Aufschlag gerecht zu werden, müsste RIM in den kommenden fünf Jahren seine Ergebnisse um 20 Prozent schneller steigern als Nokia. Das wäre ganz schön viel verlangt. Die wirtschaftliche Verlangsamung und geringere Margen aus dem billigeren Verkauf von Telefongeräten werden ein Übriges tun.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Wall Street sich schon bald von den Blackberries lossagt. Aber da immer mehr Firmen Mitarbeiter entlassen, wird das Wachstum des Markenzeichens von RIM einige Einbußen erleiden. Die neu entdeckte Leidenschaft des Unternehmens für den Durchschnittsverbraucher mag ein wenig Abhilfe schaffen. Aber wenn die RIM-Aktie nicht ein bisschen an Bodenhaftung gewinnt, wird dies nicht reichen.

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