Blickpunkt Berlin Die Banken machen Europa zur verbrannten Erde

Die Finanzmärkte wollen keinen Schuldenschnitt. Doch weil der ausbleibt, trauen sie der Lage nicht und verschärfen die Krise. Die Politik muss den Knoten durchschlagen.
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Thomas Hanke leitet das Ressort Meinung. Quelle: Pablo Castagnola

Thomas Hanke leitet das Ressort Meinung.

(Foto: Pablo Castagnola)

Keinen Satz hört man in Berlin derzeit so häufig wie diesen: "Wir dürfen uns in der Euro-Krise nicht länger von den Märkten treiben lassen." Was Entschlossenheit zeigen soll, ist doch nur ein trauriger Witz. Denn die Politik stolpert weiter hinter den Märkten her, sieht zu, wie ein Euro-Land nach dem anderen brandgerodet wird. Noch nie seit Ausbruch der Krise waren wir dem Desaster, dem Zerfall der Währungsunion, so nahe wie jetzt: Weil nicht mehr klar ist, ob die finanziellen Mittel und der politische Wille ausreichen, um auch große Staaten wie Spanien und Italien zu stützen.

Ein Geruch nach Schwarzem Mittwoch liegt in der Luft. Am 16. September 1992 flog das Europäische Währungssystem auseinander, weil weder die Bank of England noch die Bundesbank länger bereit waren, den Kurs des britischen Pfundes zu stützen. Mittlerweile ist Europas Schicksal - die gemeinsame Währung - wieder wie 1992 zu einer Frage nationaler Belastbarkeit geworden: nämlich der, bis zu welchem Betrag Deutschland bereit ist, für Euro-Länder zu haften.

Wie konnte es so weit kommen? Die Regierungen finden seit dreieinhalb Jahren kein Mittel, um das Feuer zu löschen. Vieles ist seit 2007 unverändert geblieben, wenn nicht sogar schlimmer geworden: Die Zentralbanken haben mit mehr Liquidität noch mehr Benzin ins Feuer geschüttet, Brandherde können ungehindert übergreifen, weil entgegen allen Beteuerungen keine Feuerschneisen geschlagen wurden, und die Kräfte der Feuerwehren, nämlich der Nationalstaaten, sind langsam erschöpft.

Der Bundesregierung und anderen schwant, dass ein Schuldenschnitt nötig wäre - aber sie traut sich nicht, aus Angst, das könne wie Lehman hoch zwei wirken. Der Sachverstand reicht nicht aus, um die Folgewirkungen eines großen Schuldenschnittes zu durchdenken und ihnen vorzubeugen - brechen Banken zusammen, gehen Kreditversicherer in die Knie, verlieren Lebensversicherungen an Wert, bekommen ganze Staaten keinen Kredit mehr? Deshalb lässt die Politik die Finger davon - und wankt hinter den Banken her.

Die verlangen den Verzicht auf eine Umschuldung, weil sie zu schmerzlich sei: Alle ausstehenden Anleihen müssen bezahlt werden! Im selben Atemzug aber stellen die Finanziers fest: Wir trauen dem Braten nicht, denn ohne Umschuldung werden Griechenland, Irland und andere zusammenbrechen. Ein bizarrer Widerspruch, der einzelbetrieblich noch eine krude Logik haben mag. Gesamtwirtschaftlich aber führt er zur Lähmung und letzten Endes zu der Insolvenz der Staaten, vor der es den Märkten graust.

Soll sich 1992 nicht auf schlimmere Weise wiederholen, müssen sich die Euro-Länder jetzt von der Logik der Märkte lösen. Das wird schwierig, und es wird wehtun. Lässt die Politik aber das Feuer weiter wüten, wird es Europa verwüsten.

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25 Kommentare zu "Blickpunkt Berlin: Die Banken machen Europa zur verbrannten Erde"

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  • immer wird - wohl mit Recht - die Politik als zu zögerlich hingestellt. Vermutlich fehlt aber überall in der Politik seit langem das Fachwissen um die wirklichen Zusammenhänge.
    Und die wirklichen Verursacher der 2,5 jährigen Krise, die banker, halten sich im Hintergrund und machen gerade so weiter.
    Hauptlobbyist Herr Ackermann - auch Vorsitzender im internationalen bankerverband, tönt dann immer wieder, eine bank bankrott gehen zu lassen, sei keine Alternative. Die Politik leitet diesen allmählich irren Satz gerade an uns weiter.
    Und wir haben dann den Dreck am Hals, Steuermittel sind ja leichter einzusetzen, als die Gelder der Zocker, bankenaktionnäre und überbezahlten Vorstände.
    Das muss die Politik endlich ändern. Sich nicht länger immer wieder von den Eigeninteressen der bankerwelt vorführen lassen.

  • "... müssen sich die Euro-Länder jetzt von der Logik der Märkte lösen".

    Diese Formulierung ist mir zu "politisch": je nachdem, wie die Sache ausgeht, kann der Redner immer behaupten, dass er ja etwas ganz anderes gemeint habe. Politiker haben wir genug; von Journalisten erwarte ich, wenn sie Meinungen äußern, dass sie KONKRETE Vorschläge formulieren!

  • bei der Einführung des Euros standen keine wirtschaftlichen Überlegungen im Vordergrund, auch keine politischen.

    Die Einführung des Euros war lediglich ein Zugeständnis an Frankreich für die Zustimmung zur Deutschen Einheit. Frankreich fürchtete sich immer mehr vor der starken DM.
    So wurden wir gleich zweimal bestraft. Mit der Deutschen Einheit und mit der Einführung des Euros.

    Helmuts Lebenswerke. beide wurde mehr als nur stümperhaft durchgeführt, beides mal das Pferd von hinten aufgezäumt. Dem deutschen Volke wurde damit unendliches Leid zugefügt. Und alles nur, damit er als Einheitskanzler in die Geschichte eingehen kann.

    Dafür hat er sein Volk verraten.

  • Mich stört bei den meisten Kommentaren, dass die Ursachen, die das Projekt EURO einmal notwendig gemacht haben, überhaupt keine berücksichtigung mehr finden.
    So wie ich es verstanden habe ist der Euro doch eine Antwort darauf gewesen, dass die USA mit der Weltwährung Dollar alle anderen Nationen jahrzehntelang zur Geisel ihrer wirtschaftlichen und politischen Ambitionen gemacht haben. Dies sichert den USA über ihre Zinspolitik ein jährliches leistungslose Zusatzeinkommenssteuer auf Kosten aller anderen Staaten. der Euro sollte als alternative Weltwährung genau dies ändern.
    Soll jetzt die aus den USA ausgehende Weltfinanzkriese das Projekt Euro beenden? Viele Leute in den USA würden sich sicherlich freuen...

  • Die deutsche Politik und insbesondere die Frau bundeskanzler muß (!!!) definieren, zumindest intern und von mir aus geheim, bis zu welchem Punkt Deutschland mitmacht. Wenn dies nicht geschieht wird der Eid, den jeder Kanzler leistet, vorsätzlich gebrochen. Wenn Spanien fällt, muß spätestens Schluß sein! Wie oft hat man es schon gehört: "Schmeiß gutes Geld keinem schlechten hinterher". Das Wort von vielen Politikern, die auffordern: "Rettung des Euros um jeden Preis" ist Hochverrat am Deutschen Volk und erinnert fatal an den befehl Adolf Hitlers im Winter 1942/43 an die 6. Armee in Stalingrad: "Die Stadt ist um jeden Preis zu halten, Ausbruch verboten!" Das Ergebnis ist bekannt.

  • Tiefschürfende Statements hier. Aber Fakt ist doch, daß in unserem gesellschaftlich akzeptierten Ökonomiesystem derartige mögliche Finanzexzesse gesetzlich erlaubt und deren Ergebnis von einem renditegailen Klientiell, das bis hinunter zum Kleinanleger geht, als erfolgreiches invest verbucht wird.

  • ALLES, was nur mit Subvention überleben kann, ist doch eigentlich schon tot. Dazu zählen auch die banken. Jeder Unternehmer kann sich eine solche Überschuldung nicht leisten. Europa wird nicht daran sterben, nur die EU und der Euro werden die Staatsbankrotte nicht überleben. UND DAS iST GUT SO!

  • Die Politik hat den Rettungsschirm über Euro-Länder aufgespannt, weil sie dem verbreiteten irrtum unterliegt, Staatsschulden würden den Euro gefährden.

    Die Unabhängigkeit der Notenbanken wurde eingeführt, damit Staatsschulden für die Geldwertentwicklung keine bedeutung mehr haben. Die EZb ist unabhängiger als die bundesbank je war - auch deshalb, weil sie anders als andere Notenbanken nicht von einem einzelnen Staat abhängig ist.

    Früher haben Staaten inflation gemacht, wenn ihnen die Schulden über den Kopf wuchsen. Seit es unabhängige Notenbanken gibt, liegt die Geldwertentwicklung allein in deren Hand. Alles andere sind Ammenmärchen! An deren Verbreitung beteiligt sich leider auch die EZb, indem sie die Staatsverschuldung ständig kritisiert - sie tut das wohl, um ihre Alleinverantwortung zu verschleiern. Sie nutzt einfach das allgemeine Vorurteil, um ihre Alleinverantwortung zu verschleiern.

    Wenn ein Euro-Land insolvent wird, verlieren seine Gläubiger Geld. Notfalls alles, denn ein Staat kann genauso wenig untergehen wie ein Privatmann. Nur Unternehmen können in einer insolvenz aufhören zu bestehen.

    Also, liebe Politiker, einfach Nervenstärke zeigen und Staatspleiten hinnehmen. Die Stabilität des Euro ist garantiert nicht in Gefahr.

  • Nur eine vollständige und öffentlich nachvollziehbare Offenlegung und Anmeldung aller einbringungsgefährdeten jeweiligen Forderungen nationaler banken bis zu einem bestimmten Stichtag bei einer jeweils nationalen staatlichen bankschulden-Agentur kann bewirken, daß eine quantitaive und qualitative Lagebeurteilung vorgenommen werden kann. Damit werden banken gezwungen, keine riskante Geschäfte einzugehen und windige Kreditvergaben ausgetrocknet. An Hand des Ergebnisses können die sozialen und wirtschaftlichen Folgen von bankenpleiten und sonstigen Zahlungsausfällen national abgeschätzt und eine nationale Strategie entwickelt werden, wie mit den tatsächlich vorhandenen nationalen Mitteln der einzelnen Staaten auf nationaler Ebene verhindert werden kann, daß das Zahlungssystem zusammenbricht und die bürger komplett enteignet werden, selbst wenn Großbanken zusammenbrechen. internationaler Zahlungsverkehr muß über Staatsbanken kreditfrei abgwickelt werden. Lehman hat gezeigt, daß die Welt nicht untergeht, wenn eine Großbank kollabiert. Die zu erwartenden Verluste der Gläubiger sind ohnehin auf Dauer unvermeidbar, soweit sie nicht von der Einlagensicherung aufgefangen werden können. Natürlich wird auch das Märchen von der "Riester"-Rente für viele platzen und wir könnten die Gelegenheit nutzen, eine Einheits-Mindestrente einzuführen, die um die tatsächlich höheren individuellen beitragsleistungen angemessen und an realer Verzinsung der Guthaben orientierte beträge und an der durchschnittlichen Lebenserwartung erhöhend bemessen wird. Eine unlimitierte Kompensation offener und nicht einbringbarer bankforderungen durch Steuergelder und Geldmengenwachstum ist geradezu die offizielle Einladung, daß banken Risiken verstärkt eingehen und der Markt für hochspekulative Geschäfte angeheizt wird.

  • ...der Sachverstand reicht sehrwohl aus, nur die Frage, von wem Politik,EZb-iWF-FED denken lassen.
    ...wer bANKEN RETTET.! DiESER UNSiNN, wir retten die Vermögen der Geldbesitzer,die sie im wesentlichen, von uns über den Zins erpresst haben, und das sind die Millionäre und Milliadäre, nicht die banken mit ihren 4% Eigenkapital.
    ...diese durch Zins und Zinseszins aufgeschäumten Geldvermögen, die Volkswirtschaftlich nicht unterlegt sind, wurden den Staaten, der Wirtschaft und den immobilienkäufern doch aufgenötigt, in der Hoffnung, dadurch weiter Zinsen erpressen zu könne.
    ...privatisierte Vermögens-Gewinne und Gewinnerwartungen sollen nun durch die bürger -deshlb heißen wir ja so- im nachhinein Verbürgt werden.( Sammelhaft )
    ...Unverschämt, Schweinerei, Wahnsinn, wehren wir uns dagegen.
    ...laß doch Pleite gehen, mich hat die Lehmannpleite nicht berührt.
    ... was Wert ist,aufgebaut zu werden, ist auch Wert unterzugehen. ( im Faust )
    ...Stellen wir uns freudig vor die banken und hören das knallen der Geld-Luftballons in deren büchern, und das jammern der Geldsäcke, und das Mitgefühlheischen der benkmanager.
    ...frohe Weihnachten, ...es kann nur besser werden

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