Blickpunkt Berlin
Die CDU-Konservativen bieten nur Bierzeltsprüche fürs Gemüt

Nicht Merkel ist schuld am Abwärtstrend der CDU. Der soziale Wandel hat viele konservative Thesen untergraben. Zurückdrehen lässt er sich dennoch nicht.
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Wenn es juckt und zwickt, wenn eine Partei an Gewicht und Profil verliert, dann hat sie nach landläufiger Auffassung die sozialdemokratische Krankheit. Meinungsforscher und Erika Steinbach sind überzeugt, dass es nun die CDU erwischt hat und eine Person daran schuld ist: Angela Merkel. Sie verrate die Konservativen, deshalb verkümmerten die Wahlergebnisse und deshalb hätte eine rechtskonservative Partei echte Chancen - das Endstadium des SPD-Syndroms.

Je öfter die Überlegung wiederholt wird, desto weniger müssen ihre Vertreter sie begründen. Und doch ist sie weitgehend Unfug. Die Zustimmung zur Union ist seit 1983 im Sinkflug. Während die SPD dank Schröder den Abwärtstrend unterbrechen konnte, ist das der CDU nicht gelungen. Für den Beginn der Schwindsucht in den frühen 80er-Jahren trägt Merkel beim besten Willen keine Verantwortung. Ihr Kurs auf eine modernere, großstädtische, weniger auf die klassische Alleinverdienerfamilie zugeschnittene Partei ist nicht Ursache des Niedergangs, sondern ein später Rettungsversuch. Die auslösenden Faktoren sind ganz andere.

Globalisierung und sozialer Wandel wirbeln die Wählermilieus der CDU genauso stark durcheinander wie die der SPD - nur haben wir das kaum zur Kenntnis genommen. Nicht Merkel vernachlässigt die konservativen Themen, sondern die moderne Gesellschaft stellt dafür keine Andockstellen mehr bereit. Konservativ war früher, wer für Vaterland und Militär war, Berufstätigkeit von Frauen überflüssig, staatliche Kinderbetreuung kommunistisch und Migranten nur als Gastarbeiter erträglich fand. Heute wollen Konservative möglichst schnell raus aus Afghanistan und aus der Wehrpflicht, fördern Frauen, Kinderbetreuung und Migranten, damit Erwerbsbevölkerung und Wohlstand nicht zu schnell schrumpfen.

Mit ihrer Politik der 70er-Jahre hätte die CDU heute keine besseren Wahlergebnisse, sondern sie würde abserviert. Ich bestreite nicht, dass manche Unionswähler den früheren Thesen nachtrauern und Steinbach lieber haben als Merkel. Das Dilemma ist: Daraus folgt keine realistisch mögliche Politik. Es ist ja kein Zufall, dass von den Wortführern der CDU-Konservativen nichts kommt. Wo ist denn ihr Gegenentwurf zu Merkels Versuch, sich auf die Moderne einzulassen? Nur heiße Luft, Bierzeltsprüche fürs Gemüt.

Damit lässt sich heute kein Staat machen und keine Wirtschaft. Vergangene Woche klagte mir die Chefin eines Berliner mittelständischen Unternehmens ihr Leid: Sarrazins Muslimschelte gefährde ihre Geschäfte im Mittleren Osten. Das ist die harte Realität, der Politiker der Exportmacht Deutschland heute gerecht werden müssen. Unser Wohlstand hängt von einer Welt ab, die viele nicht an sich heranlassen wollen. Doch Merkel kann die Zeit nicht zurückdrehen - Erika Steinbach und Stefan Mappus auch nicht.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Blickpunkt Berlin: Die CDU-Konservativen bieten nur Bierzeltsprüche fürs Gemüt"

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  • "Nicht Merkel ist schuld am Abwärtstrend der CDU", die "Ladykiller" sind nur zu dämlich!

  • Sehr geehrter Herr Hanke, in welchem bierzelt haben sie ihre informationen gesammelt? ihren Artikel empfinde ich sehr unter der Gürtellinie. Also Herr Hanke, wie kommen sie zu dieser Aussage??? Wurden diese informationen von Mutti Merkel an sie weitergereicht? Auf ihre Antworten bin ich gespannt.
    Danke

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