Blickpunkt Berlin
Die europäische Währung wird überleben – trotz allem

Die Politiker sind entschlossen, die Initiative zurückzugewinnen. Neben einem besseren Rettungsfonds ist dafür die schnelle Koordinierung der Wirtschaftspolitik nötig.
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Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Im Euro-Raum gilt das Sprichwort hoffentlich nicht – denn ein paar gute Vorsätze haben die Protagonisten in Paris, Brüssel, Frankfurt und Berlin zu Jahresbeginn gefasst. Der wichtigste: Man will nicht mehr wie die Feuerwehr von einem Brandherd der Märkte zum nächsten flitzen, sondern die Initiative zurückgewinnen.

Bloß wie? Sicher nicht, indem nach Irland jetzt Portugal unter den Rettungsschirm rutscht und dann vielleicht Belgien und dann: Spanien? Das wäre die Fortsetzung der Aufregungsspirale aus 2010. Ein großer Wurf ist nötig. Doch bleibt keine Zeit, auf den dauerhaften Stabilisierungsmechanismus (ESM) zu warten. Den wird es frühestens 2013 geben, nach der Vertragsänderung.

Jetzt muss es schnell gehen. Keine volle Harmonisierung der Politiken, keine Vergemeinschaftung im klassischen Sinne, keine formale Kompetenzübertragung an die EU – denn all das gibt es nur im Schleichtempo der „großen“ Vertragsänderung, und da würde man sich in die Hand der Briten und anderer unsicherer Kantonisten begeben. Die Sorge der Märkte, dass der Euro-Raum seine gemeinsame Währung nicht durch eine gemeinsame Politik für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit flankiert, muss deshalb anders zerstreut werden: durch eine verbindliche Vereinbarung des Europäischen Rats. Analog zu den Stabilitätskriterien für Währung und Finanzen lassen sich Kriterien für nachhaltige Rentensysteme oder Lohnfindung vereinbaren: ein Pakt für Wettbewerbsfähigkeit, der glaubwürdig ist.

In diesen sauren Apfel härterer Auflagen werden alle beißen müssen, die derzeit die Folgen der wachsenden Spreads spüren. Auf der anderen Seite kann ein verbesserter Euro-Schutzschirm (EFSF) stehen. Dieser „EFSF plus“ wird ein größeres Volumen haben. Er sollte auch die Möglichkeit erhalten, bestehende Anleihen anzukaufen. So könnte elegant die Beteiligung der privaten Gläubiger an der Rettung beginnen, ohne großen Verhandlungszirkus: Eine Griechenland-Anleihe mit Fälligkeit 2014 etwa notiert derzeit bei 74 Prozent des Nennwertes. Die ursprünglichen Käufer erleiden also einen Kapitalverlust oder „Hair-Cut“ von 26 Prozent – mehr, als in manch kühnen Überlegungen über Schuldenverzicht je angedacht wurde. Soll der EFSF die Altanleihen nicht selber halten, kann er Staaten in die Lage versetzen, sie zurückzukaufen, gebunden an stabilitätspolitische Auflagen. Die Härtung der Euro-Zone käme dadurch voran, während das Interesse an Spekulation gegen den Euro abnähme.

Einen guten Rat sollten alle Marktteilnehmer beherzigen: Sie sollten die Entschlossenheit der Bundesregierung nicht unterschätzen, den Euro zu verteidigen. Wer glaubt, in ein paar Monaten könne er mit einem Nord-Euro, einer neuen Mark oder Talern zahlen, unterschätzt den europäischen Willen der Regierung.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Blickpunkt Berlin: Die europäische Währung wird überleben – trotz allem"

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  • wunderbar. wir ergänzen jetzt neuerdings alles mit plus und schon läuft der Laden.EFSF plus hat größeres Volumen und kauft die Schrottanleihen auf und zugleich ergänzen wir die Stabilitäts und Konvergenzkriterien. die sowieso bisher keiner eingehalten im analogieverfahren mit Lohn und Rentenkriterien, und man weiss jetzz schon z.b. dass in Griechenland wegen beschlossener Sparmaßnahmen die bürger auf die Straße gehen und Griechenland die Sparmaßnahmen gar nicht erfüllen kann.EFSF plus in Analogie zur HRb ( Hypo Real Estate)

  • in ganz Europa gibt es keinen einzigen Staat, dessen Wirtschaftspolitik sich zur Nachahmung empfehlen wuerde. Mir ist auch keine einzige Partei bekannt, die ein zukunftsfaehiges wirtschaftspolitisches Konzept im Programm haette. ich kenne auch keinen Politiker, der Antworten auf die grossen Fragen hat. Aber alle, alle, alle stimmen staendig in den daemlichen Gesang von der gemeinsamen Wirtschaftspolitik ein. Eine Einigung auf eine gemeinsame europaeische Wirtschaftspolitik ist erstens voellig unrealistisch, zweitens nicht notwendig und drittens nicht wuenschenswert. Man wuerde dann die gleichen Torfnasen an die Schalthebel der Wirtschaftspolitik stellen, die uns mit ihren Schuldenorgien dieses Chaos ueberhaupt erst beschert haben. Am Ende des Jahres 2011 wird der europaeische Schuldenberg groesser sein, in den meisten Laendern werden die Schulden schneller als das Sozialprodukt gestiegen sein, die inflation im Euroraum wird sich beschleunigen und es wird nach Grossfusionen noch mehr „Too big To Fail“ Konzerne geben. Und warum? Wegen der Schwarmintelligenz europaeischer Politiker, der Schwarmintelligenz der Lemminge!

  • Sehr geehrter Herr Hanke, woher nehmen sie diesen Optimismus???
    Wer bezahlt Sie für ihren Euro-Optimismus???
    Denken sie die deutschen Steuerzahler lesen nur das Hb?
    Sie sollten sich einmal mit ganz normalen Menschen auf der Straße unterhalten, und die ungeschminkte Wahrheit, oder was die Menschen als Wahrheit sehen erfragen.
    ich bin es langsam leid, ständig ihr Loblied auf den Euro im Hb zu lesen, es wird dadurch auch nicht besser.
    Gehen sie zu den deutschen Menschen auf die Straße, und erfragen sie, deren Meinungen zu Europa.

    „Die EU bereitet sich auf weitere Pleiten vor“

    Danke

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