Blockbuster/Circuit City
Unterm Messer

Im US-Einzelhandel gibt es kaum jemanden, der kränker wäre als Blockbuster und Circuit City. Die Frage ist, ob die von Blockbuster angestrebte Therapie – eine Offerte über 1,3 Mrd. Dollar für Circuit City – die Überlebenschancen beider Firmen erhöht. Wie bei jeder experimentellen Operation stehen auch hier die Chancen nicht allzu gut.

Blockbuster und Circuit City gehören zu den am stärksten leidenden Patienten im US-Einzelhandel. Die Geschäftsmodelle beider Firmen sind einem enormen Druck ausgesetzt. Die Frage ist, ob die von Blockbuster angestrebte Therapie – eine Organtransplantation in Form einer unerwünschten Offerte über 1,3 Mrd. Dollar für Circuit City – die Überlebenschancen beider Unternehmen erhöht. Gewöhnlich stehen die Chancen bei experimentellen Eingriffen nicht allzu gut. Dieser Deal ist keine Ausnahme.

Die Videotheken-Kette Blockbuster wird zum einen von Netflix herumgeschubst, die DVDs per Post verschickt, und zum anderen von den digitalen Download- Diensten von Internet-Größen wie Apple und Amazon bedroht. Ihre Aktien sind in den vergangenen vier Jahren um 84 Prozent gefallen. Vorstöße in die digitale Distribution und in den Postversand müssen ihre rettende Wirkung erst noch entfalten. Blockbuster könnte zu der Überzeugung gekommen sein, dass es durch das Herumexperimentieren mit einer Art Radikalkur nicht viel zu verlieren gibt.

Das Unternehmen, bei dem der aktivistische Milliardär Carl Icahn Großaktionär und Board-Mitglied ist, hat einen Brief vom Februar veröffentlicht, in dem sechs bis acht Dollar je Aktie für Circuit City geboten werden. Doch ein augenfälliges Allheilmittel hat Circuit City nicht zu bieten. Die Aktien des Elektronikeinzelhändlers sind im vergangenen Jahr um 80 Prozent gesunken, da die Firma einerseits durch die Billigangebote von Wal-Mart und andererseits durch den besseren Service und die bessere Ware von Best Buy in die Enge getrieben worden ist.

Wie wollen sich diese beiden Kranken nun gegenseitig am Leben halten? Aller Schwierigkeiten zum Trotz könnte Blockbuster das sein, was Warren Buffet einen durchweichten Zigarrenstummel nennt: ein Vermögenswert, der auf dem Weg zum Erlöschen Cash Flow produziert. Diese Mittel einzusetzen, um Circuit City dabei zu unterstützen, sich wieder auf Vordermann zu bringen, könnte der Plan hinter der Offerte sein. Es könnte auch Synergien geben.

Blockbuster könnte zum Beispiel einige Läden schließen und vor Ort jeweils in die Geschäfte von Circuit City mit einziehen. Dadurch könnte sich der Publikumsverkehr in diesen Outlets von Circuit City erhöhen. Zudem könnten sich Marketing-Chancen eröffnen. Ein DVD-Spieler oder eine Spielekonsole könnte zusammen mit kostenlosen Verleih-Angeboten von Blockbuster verkauft werden. Natürlich könnten Circuit City und Blockbuster einen solchen Pakt ohne Zweifel auch arrangieren, ohne dass die eine Firma gleich in den Besitz der anderen übergehen muss.

Blockbuster hat noch nicht klargestellt, wie die Transaktion mit nur 185 Mill. Dollar an Barmitteln in der Bilanz überhaupt finanziert werden soll. Eine Option wäre eine Bezugsrechtsemission mit einem starken Verwässerungseffekt. Möglicherweise bringt dieser Eingriff zwei gesunde Patienten hervor. Aber fragen Sie jeden beliebigen Arzt und er wird ihnen sagen, dass die Chancen dafür schlecht stehen. Die Aktionäre von Blockbuster könnten diese Transplantation zu Recht ablehnen.

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