Blockgeschäfte
Große Pakete, große Risiken

Achtung an der Wall Street! Blockgeschäfte sind wieder da. Da die Unternehmen schnell Geld einsammeln müssen, kommt das kaum überraschend. Aber vor einigen Jahren haben Banken enorme Verluste damit eingefahren, indem sie große Aktienpakete zu einem Abschlag gekauft und dann versucht haben, sie sofort wieder abzustoßen. Sie sollten darauf hoffen, dass dies jetzt aufgrund der geschwächten Konkurrenz anders ist.

Der Blockhandel ist wieder da. Erst in dieser Woche hat die Bank of America Aktien der China Construction Bank im Wert von 2,8 Mrd. Dollar abgestoßen. Und der chinesische Milliardär Li Ka-Shing hat Titel über mehr als 500 Mill. Dollar an der Bank of China verkauft. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum diese schnellen und riskanten Abschlüsse wieder in Mode sind.

Der Pakethandel wird von den Instituten dazu eingesetzt, um große Portionen von Aktien los zu werden - und zwar schnell. Der Inhaber verkauft die Titel gewöhnlich zu einem Festpreis an eine Investmentbank. Die Bank versucht dann, die Papiere postwendend zu einem Aufschlag gegenüber dem Preis, den sie dafür gezahlt hat, auf dem Markt weiterzugeben.

Die Verkäufe der chinesischen Titel wurden vorwiegend dadurch ausgelöst, dass die Stillhalteperioden, während derer auf Marktverkäufe verzichtet wird, abgelaufen sind. Westliche Banken, die in diesem Sektor große Investitionen vorgenommen haben, wollen unbedingt einige ihrer Gewinne versilbern und ihre eigenen Bilanzen stützen. Während die gegenwärtige Reihe der Lock-Ups sich zwar vielleicht dezidiert auf chinesische Unternehmen bezogen hat, ist der Bedarf an liquiden Mitteln jedoch global. Und der Verkauf großer Pakete unerwünschter, oder zumindest nicht strategischer Aktien, ist ein vorteilhafter Weg, diese Mittel einzusammeln.

Es ist immer noch schwierig, auf den Kreditmärkten Geld zu vernünftigen Preisen aufzutreiben. Allerdings haben die Märkte im Verlauf des vergangenen Monats in den meisten Ländern kräftig zugelegt, auch wenn nur wenige Aktienanalysten der Meinung sind, dass die Aufwärtsbewegung von Dauer ist. Deshalb könnte es eine gute Idee sein, schnell noch zu verkaufen, solange der Todgeweihte noch zuckt.

Doch die Investmentbanken haben sich in der Vergangenheit bei dieser Übung schwer die Finger verbrannt. Der Marktkurs für Aktien kann schnell fallen, wenn erst einmal Gerüchte über einen großen Überhang an unerwünschten Aktien die Runde machen. Zahlt man einen zu geringen Abschlag, dann bleibt die Bank möglicherweise auf enormen Verlusten sitzen. So haben zum Beispiel sowohl Goldman Sachs als auch die Deutsche Bank 2002 wegen eines Blocks von Aktien der Vivendi Univeral Einbußen erlitten, die Berichten zufolge jeweils 100 Mill. Euro überschritten.

Momentan kann die schwächere Konkurrenz der Banken untereinander allerdings bewirken, dass die zuständigen Handelstische bei den Instituten einem geringeren Druck ausgesetzt sind, die Aktien zu einem unzureichenden Abschlag zu kaufen. Kauften die Banken Aktienblöcke früher zu einem Nachlass von zwischen einem und bis zu fünf Prozent, liegt die Spanne derzeit bei acht bis zwölf Prozent, sagen an Blockgeschäften beteiligte Banker. Das kommt daher, dass viele Banken, die früher mitgemischt haben, einfach verschwunden sind. Damit steht dieses Feld Morgan Stanley, Merrill, Goldman und Konsorten offen.

Doch dem Geschäft haften immer noch große Risiken an. Die Marktschwankungen haben markant zugenommen, wodurch sich die Kosten für die Absicherung und das Risiko, unerwünschte Aktien in der ohnehin schon angespannten Bilanz einer Bank zu halten, erhöhen. Blockgeschäfte mögen wieder in Mode und verlockender denn je sein. Aber sie können immer noch auch nach hinten losgehen.

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