Bloomberg
Spekulation an den Terminals

Der Stellvertreter des New Yorker Bürgermeisters Michael R. Bloomberg wird sein Amt aufgeben und als neuer Präsident von Bloomberg LP fungieren. Michael Bloomberg beharrt darauf, dass dies nicht den Verkauf seiner Firma vorwegnimmt. Er hatte allerdings auch behauptet, er würde sich nie zum Bürgermeister wählen lassen.

Mike Bloomberg ist ein Mann der Tat und nicht der Worte. Dieser Beschreibung würde der Bürgermeister von New York City als Erster zustimmen. Wie soll man also dann seine jüngste Behauptung interpretieren, dass die Finanznachrichtengruppe, die er gegründet hat, nicht zum Verkauf steht? Bloomberg hat dies nachdrücklich versichert und gleichzeitig angekündigt, dass seine rechte Hand in der City Hall, Dan Doctoroff, sein Amt als Stellvertretender Bürgermeister aufgibt und Präsident von Bloomberg LP wird.

Es ist leicht zu verstehen, warum Bloomberg von sich aus mit einer solchen Information herausrückt. Doctoroffs Vorgeschichte als Chef einer Beteiligungsgesellschaft – er war 14 Jahre lang Managing Partner bei Oak Hill Capital, bevor er 2001 das Amt des Vize-Bürgermeisters antrat – bietet sich förmlich für Spekulationen an, er werde installiert, um die Firma für eine kreditfinanzierte Übernahme aufzupolieren.

Und bis die Kreditmärkte implodiert sind, war das auch der plausibelste Weg zum Ausstieg, den Bloomberg hätte einschlagen können, um seinen Anteil von 68 Prozent zu versilbern. Vielleicht denkt er ja darüber nach, mit dem Geld eine Kandidatur für das Oval Office zu finanzieren. Da der Kauf von Reuters durch Thomson immer noch abgeschlossen ist, ist schwer vorstellbar, welcher andere Anbieter von Finanzmarktnachrichten in der Lage wäre, Bloomberg zu übernehmen. Der Kaufpreis dürfte sich auf etwa 30 Mrd. Dollar belaufen.

Und nur weil Bloomberg einen Verkauf ausgeschlossen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass nichts im Gange ist. Bloomberg selbst hatte in den Jahren vor seiner erfolgreichen Kampagne für die Wahl zum Bürgermeister auch immer abgestritten, sich für ein politisches Amt aufstellen zu lassen. Viel wichtiger ist es, sich den Spielstand bei Merrill Lynch, dem anderen Großaktionär von Bloomberg LP, anzusehen.

Angesichts der Schwierigkeiten, die das Engagement in US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität bei der Investmentbank ausgelöst hat, käme dem Chef von Merill Lynch, John Thain, und den Aktionären ein bisschen Extra-Kapital gerade recht. Bloomberg könnte Merrill glücklich machen, indem das Unternehmen den Anteil der Bank über 20 Prozent für etwa sechs Mrd. Dollar zurückkauft. Und eine Firma mit dieser Art von Schuldenlast zu leiten, wäre genau die richtige Aufgabe für einen erfahrenen Buyout-Boss wie Doctoroff.

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