Blu-ray
Kein blauer Himmel

Im jüngsten Kampf um das Videoformat der Zukunft steht Toshiba vor der bedingungslosen Kapitulation. Versüßt werden dürfte der Sony-Sieg noch dadurch, dass die erste Schlacht vor zwei Jahrzehnten mit einer Niederlage für Sonys Betamax endete. Aber welchen Gewinn wird das Unternehmen aus dem Triumph ziehen können? Sony ist nicht der einzige Eigentümer und die Produktion liegt auch nicht in seinen Händen.

Toshiba steht im jüngsten Kampf um das Videoformat vor der bedingungslosen Kapitulation. Sein HD-DVD-Format wurde von Sonys Blu-Ray klar und deutlich geschlagen. Die Niederlage ist schmerzhaft, aber Toshiba blieb keine andere Wahl, nachdem auch Wal-Mart nach Warner Brothers sich zum „Going Blu“ entschied.

Toshibas Alternative ist billiger zu produzieren, aber technologisch nicht so ausgereift. Das Toshiba-Format war zudem nicht günstig genug, um Microsoft, einen der Toshiba-Partner, davon zu überzeugen, die Disks für die Xbox-Spielekonsole zu verwenden. In dieser Runde gewann Qualität die Oberhand über Preis.

Vor zwei Jahrzehnten sah das anders aus. Im Kampf um das zukünftige Videoformat zog Sonys teureres und qualitativ hochwertigeres Format Betamax den Kürzeren gegenüber der Konkurrenz VHS. Es dauerte aber noch über zehn Jahre, bis Sony den Kampf endgültig aufgab. Heute ist damit zu rechnen, dass Toshiba seine Technologie nach nur zwei Jahren aufgibt. Verlierertechnologie zu stützen heißt auch, deutliche Gewinneinbußen hinnehmen. So gesehen ist es kein Wunder, dass Börsenmakler sich jetzt beeilen, Toshiba wieder auf die Kaufliste zu setzen.

Auf der anderen Seite entspricht die bessere Hardware nicht automatisch auch der Lizenz zum Gelddrucken. Es stimmt zwar, dass Intel ein Vermögen mit seinen Mikroprozessoren gemacht hat, aber hohe Gewinnspannen lassen sich erfahrungsgemäß in der Konsumentenelektronik nicht lange aufrechterhalten. Innerhalb weniger Jahre werden Elite-Produkte zu renditeschwachen Massenartikeln. Investoren scheinen zu fürchten, dass Sony diesem Fluch des Siegers zum Opfer fällt. Die Sony-Aktie legte am Montag um ein mageres Prozentchen zu, während Toshiba gleich um sechs Prozent nach oben sprang.

Für Sony ist Blu-Ray der Schlüssel zu seinem größten Geschäftsfeld – Videospiele. Seine Playstation-3-Spielekonsole verfügt über einen eingebauten Blu-Ray-Player, über den sich Spielinhalte für 100 Stunden abrufen lassen. Konkurrenz durch Internet-Downloads wird wahrscheinlich kommen, aber im Augenblick sollte Sony mit der Blu-Ray-Box die Nase vorn haben.

Aber Sony hat nicht die gleiche Kontrolle über seine Technologie wie Apple über den iPod. Sony hat Partner an der Entwicklung der Technologie beteiligt und die Produktionslizenz an die Konkurrenz vergeben. Zwar wird Microsoft Blu-Ray wahrscheinlich schon bald in seinen eigenen Xbox-Konsolen einsetzen und Sony wird einige Lizenzgebühren von der Konkurrenz vereinnahmen. Aber Sony muss die Führerschaft bei Preis und Qualität behalten, damit sich Blu-Ray wirklich bezahlt macht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%