Blütezeit?
Goldman zeigt in gebeutelten Märkten seine Kraft

Der relative Erfolg beim Verwalten von Risiken in der Kreditkrise zahlt sich für die Wall-Street-Firma jetzt aus. Als eines von wenigen Unternehmen, das bereit und fähig war, eigenes Geld aufs Spiel zu setzen, legt Goldman gesunde Gewinne vor. Diese kamen sogar ohne den vermeintlichen Vorteil riesiger Fremdfinanzierungen zustande.
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Goldman Sachs hat seinen Stauts als Gewinner der Kreditkrise gefestigt. Die Wall-Street-Firma hat ihren relativen Erfolg beim Verwalten von Risiken bereits vor und während des Absturzes demonstriert. Nun steht man an der Spitze jener, die wieder gesunde Gewinne vorlegen.

Etliches vom Goldman-Erfolg war relativ leicht vorzeitig erkennbar. Die Gebühren, die man als eine der führenden Konsortialbanken bei der rasant zunehmenden Zahl von Aktiengeschäften im letzten Quartal einstrich, erhöhten sich um staunenswerte 1.433 Prozent auf 736 Millionen US-Dollar. Der größte Gewinnanteil stammt aber von den Handelstischen. Sowohl der Aktien- und Rentenbereich als auch die Sparte für Währungen und Rohstoffe erzielten Rekordumsätze. Zusammen mit den Primärinvestitionen brachten sie fast 80 Prozent des Bruttogewinns.

Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass Goldman seine Wetten erhöht hat. Abgesehen von einem Sprung im Aktienbereich blieb der Wert im Risiko im zweiten Quartal weitgehend unverändert. Es liegt eher daran, dass Goldman eine von wenigen übrig gebliebenen Firmen ist, die willens und fähig zum Einsatz eigenen Kapitals im Kundenauftrag oder für die eigenen Bücher ist. Der Rivale Morgan Stanley beispielsweise musste viel Risikogeschäft zum Ende des letzten Jahres einstellen.

Das bedeutet, dass Goldman besser positioniert ist, um Vorteile aus jener Art von Aktivitäten zu ziehen, die die drei Monate bis Ende Juni charakterisierten. Rallys bei Aktien, Schuldtiteln und Hypotheken sind der perfekte Nährboden für die Goldman-Geldmaschine. Das gilt vor allem, weil die Spannen bei vielen Instrumenten noch immer weit größer sind als in den Blütezeiten.

Die Frage ist, ob Goldman solch berauschende Leistungen aufrecht erhalten kann. Die Firma arbeitet mit einer Fremdfinanzierung, die das 14,2fache des Aktienkapitals beträgt. Das ist fast die Hälfte des Höchststandes, der im ersten Quartal 2008 erreicht wurde. Solange die Spannen relativ weit bleiben, ist das in Ordnung. Wenn sie sich aber einengen, muss Goldman entweder viel mehr Geschäft hinzugewinnen, ein gutes Stück mehr Risiko auf sich nehmen oder die Fremdfinanzierung ausweiten. Andernfalls dürfte die im letzten Quartal erreichte Eigenkapitalrendite von 23 Prozent nur schwer zu wiederholen sein.

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