Boeing
Sturzflug

Boeing wäre gut beraten, nicht mit den Investoren zu spielen und so offen wie möglich mit den Problemen beim Dreamliner umzugehen - bevor sie zum Alptraum werden. Denn weil der neue Jet so komplex ist, könnten die Probleme des US-Flugzeugherstellers die von Airbus mit dem A380 noch übertreffen.

Boeing hat schließlich doch gestanden. Nachdem der US-Flugzeugbauer immer wieder versichert hatte, der so genannte 787 Dreamliner würde pünktlich ausgeliefert, hat er nun den Kurs geändert. Das Geständnis kostete das Unternehmen mehr als zwei Mrd. Dollar an Marktkapitalisierung. Und die sechsmonatige Verzögerung der Auslieferung des Dreamliner könnte nur der Anfang sein. Weitere Probleme in der Fertigung und die revolutionäre Konstruktion des Flugzeugs könnten Boeing noch mehr Kopfschmerzen bereiten.

Die Probleme von Boeing lassen sich mit den Schwierigkeiten vergleichen, die der Konkurrent Airbus beim Stapellauf seines Superjumbos A380 hatte. Beide Unternehmen haben die Fertigung ihrer Flugzeuge auf Zulieferer ausgelagert, die über die ganze Welt verstreut sind. Dadurch steigen die Betriebsrisiken. Wenn ein Flugzeugteil nicht auftaucht, oder wenn ein System neu konstruiert werden muss, dann hebt der Vogel nicht ab.

Da der neue Jet von Boeing aber so komplex ist, könnten die Probleme des US-Flugzeugherstellers die von Airbus noch übertreffen. Der A380 ist zwar wirklich groß, die Konstruktion aber nicht revolutionär. Der Rumpf der 787 dagegen wird nicht aus Metall, sondern aus einem speziellen Kunststoff gefertigt, der bisher noch nie im Flug getestet worden ist. Boeing hat ihren Kunden versichert, dass das Modell flugtauglich ist, auch wenn die Testflüge um sechs Monate verschoben wurden.

Als Airbus zuerst Anfang 2005 Probleme mit dem A380 angedeutet hatte, hatte die EADS-Tochter ebenfalls von einer Verzögerung der Auslieferungen um nur sechs Monate gesprochen. Der Markt reagierte versöhnlich und trieb den Kurs der Airbus-Aktien nur ein Stück nach unten. Als aber im September 2006 der dritte sechsmonatige Lieferaufschub angekündigt wurde, bestrafte der Markt den europäischen Flugzeugbauer stärker. Die Aktien verloren ein Viertel ihres Werts und das Management wurde zu einem bedeutenden Umbau gezwungen.

Boeing wäre gut beraten, nicht mit den Investoren zu spielen und so offen wie möglich mit den Problemen beim Dreamliner umzugehen - bevor sie zum Alptraum werden.

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