Börsen
Aktien: Zwischen Hoffen und Bangen

Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni war eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Die Anleger waren jedoch regelrecht erpicht auf schlechte Nachrichten. Der Rückgang der Aktienkurse zeigt, dass der Optimismus des Frühjahrs und vielleicht die Fluten an Zentralbankgeldern schwinden. Die Investoren ignorieren die Verkaufsignale nicht mehr, sie suchen nach ihnen.
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Manche Konjunkturdaten sind einfach nur übel, egal wie man sie betrachtet. Der US-Arbeitsmarktbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, war alles andere als schön. Der Rückgang der Arbeitsplätze im Juni um 467 000 Stellen nach 322 000 im Mai hat einen viermonatigen Aufwärtstrend durchbrochen.

Die Investoren an den Aktienmärkten haben sich regelrecht auf die schlechten Nachrichten gestürzt. Der S&P 500-Index und der Dow Jones Euro Stoxx 50-Index fielen jeweils um drei Prozent. Der Preis für ein Barrel Rohöl, der immer auch die Stimmung in der Wirtschaft widerspiegelt, verringerte sich um denselben Betrag.

Jetzt aber mal langsam. Ein eingefleischter Optimist könnte immer noch Gründe zur Freude entdecken. Absolut gesehen waren die US-Stelleneinbußen im Juni nämlich niedriger als der monatliche Abbau im April und um 47 Prozent geringer als der Rekordverlust im Januar. Weitere wichtige Konjunkturdaten umfassten am Donnerstag die US-Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe. Und die sind um 1,2 Prozent gestiegen. Und am Vortag waren Zahlen bekannt gegeben worden, die zeigten, dass die Einkaufsmanager amerikanischer und europäischer Produzenten jetzt weniger düster gestimmt sind.

Doch die Anleger sind nicht mehr bereit, alle Daten, die sie finden können, zu Kränzen der Hoffnung zu winden. Das schien im Frühling angemessen zu sein, nachdem ein Winter zu Ende gegangen war, der von Angst vor einem allgemeinen Zusammenbruch bestimmt wurde. Die Zentralbanken unterstützten den bedingungslosen Optimismus, indem sie ihre Fähigkeiten zur Geldschaffung einsetzten, um einige der erstarrten Kreditmärkte aufzutauen und so Mittel für die Investoren loszueisen. Die Suche nach Kaufanlässen setzte ein.

Jetzt da der Sommer Einzug gehalten hat - und die Finanzbehörden eher einen stetigen statt einen sich verstärkenden Hilfsmittelzufluss bieten - , hat sich die Stimmung gewandelt. Die Investoren ignorieren Verkaufssignale nicht mehr - sie suchen nach ihnen.

Und die sind einfach auszumachen. Zu den langfristigen Signalen zum Abstandhalten gehören die fortgesetzten globalen Ungleichgewichte, enorme Regierungsdefizite und die Möglichkeit, dass die Zentralbanken ihren Rückzug vermasseln. Das Finanzsystem mag derzeit hoch rentabel arbeiten. Aber steigende Kreditverluste sind ein berechtigter Grund zur Sorge.

Kurzfristig werden die Unternehmen, Banken und Investoren allesamt zu kämpfen haben, wenn das Bruttoinlandsprodukt nicht recht bald wieder zu wachsen anfängt. Sie brauchen mehr als nur einen etwas langsameren Abschwung oder eine kurzzeitige Erholung aus der Wiederaufstockung ausgebluteter Lagerbestände. Eine echte Wende bedarf unter anderem einer eindeutigen Verbesserung auf den Arbeitsmärkten. Und die tritt, wie die jüngsten Daten belegen, scheinbar nicht ein.

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