Börsen
Der Bärenmarkt ist nicht vorüber

Das dritte Quartal verlief stark, aber die meisten Aktienindizes liegen gerade mal auf einem Niveau, das sie bereits vor einer Dekade erobert hatten. Und Anleger sollten sich nicht zu früh freuen. Die Phase fallender Kurse ist noch nicht vorbei.
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Es ist verständlich, wenn sich Aktienanleger wünschen, das dritte Quartal möge ewig dauern. In den vergangenen drei Monaten ignorierten die Märkte die tiefe Rezession und stiegen fast überall auf der Welt mit zweistelligen Raten, mit Ausnahme von Japan. Der MSCI-Weltindex zum Beispiel legte um 15 Prozent zu.

Das reichte, um den Bärenmarkt, der im Jahr 2007 begann, endgültig zu verabschieden. Aber die lange Aktienbaisse - diejenige, die im Jahr 2000 begann - ist noch nicht vorüber.

Im vergangenen Jahrzehnt blieben die Aktienmärkte hinter der Wirtschaftsentwicklung zurück. Während die Einzelhandelspreise und realen BIPs in den meisten Ländern um 2 bis 3 Prozent pro Jahr stiegen, liegt die Mehrzahl der Indizes heute immer noch auf dem gleichen Niveau wie 1998 oder 1999.

Als die Börsen im März ihren Tiefpunkt erreichten, waren Aktien zu Schlussverkaufspreisen zu haben - eine Kombination aus Angst und Liquiditätsengpässen drückte die Notierungen in den Keller. Heute liegen die Gründe für einen Aktienkauf längst nicht mehr so klar auf der Hand.

Aktien werden nach Schätzungen von Société Générale an den globalen Märkten gegenwärtig zu Kursen gehandelt, die dem 14-fachen ihrer für 2010 erwarteten Gewinne entsprechen. Das ist im langfristigen Vergleich nicht gerade billig. Und dabei ist in den Gewinnerwartungen eine Verbesserung der Gewinnspannen eingepreist. Wenn die Erholung wider Erwarten keinen V-förmigen Verlauf nehmen sollte, könnte die Gewinnentwicklung der Unternehmen enttäuschen und die Kurse nach unten ziehen.

Investoren mit langfristigem Anlagehorizont müssen sich keine großen Sorgen machen. Bärenmärkte dauern nicht ewig, können allerdings eine ganze Weile bestehen, wie das Beispiel Japan zeigt. Die Rezession wird auch nicht unendlich dauern. Solange Deflation vermieden werden kann, ist davon auszugehen, dass die Kurse in einem Jahrzehnt deutlich über dem heutigen Niveau liegen werden. Das heißt allerdings nicht, dass Aktien von nun an stetig steigen werden.

Die Eigentümer von Staatspapieren, der offenbar sichereren Alternative zu Aktien, haben weitaus mehr zu befürchten. Renditen von um die 3,5 Prozent für 10-jährige Laufzeiten lassen kaum Spielraum für den Fall eines unerwarteten Inflationsausbruchs. Aber solange die Zentralbanken und Regierungen alles daransetzen, die Liquidität zu erhalten - einschließlich einiger Interventionen, die darauf abzielen, die Renditen gering zu halten - solange ist das Risiko eines Inflationsschubs hoch.

Für Anleger ist es wahrscheinlich unbefriedigend, dass Aktien nicht gerade umwerfende Aussichten bieten, Renten aber noch schlechter dastehen. Aber es gibt nun einmal dunkle Zeiten, in denen fast alle Anleger schlecht abschneiden. Sieht man einmal von den paar guten Monaten ab, dann könnten wir uns im Augenblick in genau diesen Zeiten befinden.

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