Börsen
Keine goldenen Zeiten für Aktien

Der Kurszuwachs um neun Prozent innerhalb von sieben Handelstagen bedeutet nicht, dass die goldenen Zeiten hoher Kreditverfügbarkeit und stabiler Wachstumsraten zurückkehren. Aber bei Kursen, die immer noch um 40 Prozent unterhalb ihrer Höchststände liegen, sehen die Bewertungskennziffern vernünftig aus. Die Rallye könnte also anhalten, wenn die Zentralbanken und die Wirtschaft weiter mitspielen.
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Die goldenen Börsenzeiten sind längst passé. Aber Aktien könnten wieder in einem silbernen Zeitalter angekommen sein.

Der MSCI-Weltindex stieg nach sieben aufeinanderfolgenden positiven Handelstagen am Dienstag auf ein neues 2009er Hoch. Beeindruckend, aber noch lange nicht vergleichbar mit den guten alten Tagen. Noch immer liegt der Index um 40 Prozent unter seinem Hoch vom Oktober 2007. Und diese glückliche Epoche - in der Unternehmen mit Leichtigkeit Kredite aufnehmen konnten und die Weltwirtschaft mit kräftigen, stabilen Raten wuchs - wird auch so schnell nicht wieder zurückkehren.

Die goldene Börsenära musste einer kurzen, düsteren Krisenphase weichen: einer tiefen Rezession und einem Strudel von Finanzmarktproblemen. Sie ist nun vorbei. Das BIP befindet sich nicht mehr im freien Fall und bisher sind die meisten Unternehmensberichte aus dem zweiten Quartal erfreulich. Nokia enttäuschte, aber Caterpillar, LG und die Investmentbanken haben sich alle besser entwickelt als erwartet.

Am wichtigsten für die Märkte aber ist, dass die staatlichen Finanzierungshilfen funktionieren. Die Zentralbanken stellen reichlich Liquidität zu minimalen Finanzierungskosten zur Verfügung, die Renditen staatlicher Anleihen liegen immer noch niedrig, der Wertpapierhandel erwirtschaftet Gewinne und die Zinsspannen für Kredite guter Bonität sind wieder auf das Niveau von vor der Lehman-Pleite zurückgefallen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung ermutigt, dass die Bewertungskennziffern am Aktienmarkt noch keinen Grund zur Sorge bieten. Weltweit werden Aktien nach Berechnungen von Société Générale zurzeit zum etwa 16-fachen ihrer für 2009 erwarteten Ergebnisse gehandelt. Die Rezession vernichtet allerdings einen Großteil der Gewinne in diesem Jahr. Das KGV auf der Basis der für 2010 erwarteten Gewinne liegt bei 12,4 und damit nach den Maßstäben der vergangenen zwei Jahrzehnte auf niedrigem Niveau. Selbst wenn die Schätzungen, die diesen Berechnungen zugrunde liegen, zu optimistisch sein sollten, haben Aktien noch Spielraum nach oben, bevor die Kurse wieder als übertrieben bezeichnet werden könnten.

Im Rückblick stand das goldene Zeitalter auf tönernen Füßen. Die Basis der silbernen Zeiten ist nicht viel solider. Die Wirtschaft trägt immer noch die Bürde vergangener Finanzexzesse. Und selbst wenn die BIPs der wichtigsten Industriestaaten nicht länger fallen, dürfte die nächste Konjunkturphase sich durch eher anämisches Wachstum auszeichnen. Auch ein Rückwärtstrudeln ist möglich. Und weder Regierungen noch Zentralbanken können ihre Hilfen viel weiter ausdehnen, ohne ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen.

Aber das sind schon wieder Probleme eines anderen Quartals.

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