Börsen
Verkauf von Turquoise wäre ein trauriger Tag für Aktien

Investmentbanken riefen die eigene Aktien-Handelsplattform als kostengünstige Alternative zu den teuren Börsen ins Leben. Turquoise könnte nun verkauft werden – an einen der etablierten Konkurrenten, zu dem sie ein Gegenwicht bilden sollte. Aber auch wenn der raue Markt einen Verkauf notwendig macht, sollte zumindest das Gründungsethos erhalten bleiben.
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Psychos verbinden Türkis mit blühenden Geschäften und Schutz vor Mobbing. Der Anfangserfolg der gleichnamigen Börse scheint diese Verbindungen zu bestätigen. Aber ihr möglicher Verkauf, nur knapp ein Jahr nach dem Start, lässt sich auch mit "Enttäuschung" verbinden, wenn man an die europäischen Aktienmärkte denkt.

Die großen Investmentbanken gründeten Turquoise, um mit der Deutschen Börse, der London Stock Exchange und der Nyse Euronext zu konkurrieren. Lange blieben die mehrfachen Drohungen der Banken, etwas gegen deren überhöhte Börsengebühren unternehmen zu wollen, ohne Folgen. Mit Turquoise aber machten sie deutlich, dass sie dabei an ein eigenes Börsengeschäft dachten.

Ihr Erfolg blieb mäßig. Turquoise kam spät und ermöglichte so Chi-X, einem neuen, von Nomura gesteuerten Markteinsteiger, Marktanteile zu gewinnen. Dann erwiesen sich Turquoise Eröffnungstarife als weniger aggressiv als viele erwartet hatten. Und einige Marktteilnehmer behaupten, dass die neue Börse vor allem anderen Neueinsteigern Marktanteile nahm, nicht aber der LSE und Konsorten.

Aber trotz aller Schwächen kurbelte Turquoise den Wettbewerb im Aktienhandel an. Die Gründungsbanken dürften mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre relativ geringen Investitionen in die Technik über Tarifsenkungen quer durch den gesamten Markt wieder hereingeholt haben.

Der Wettbewerb bleibt auch bestehen, wenn einer der etablierten Konkurrenten Turquoise schluckt. Schließlich ist da immer noch Chi-X und die flexiblere Infrastruktur der europäischen Aktienmärkte erleichtert es den Nutzern nahezu sofort zwischen alternativen Handelsplattformen zu wechseln. Broker, die vom Kommissionsgeschäft der institutionellen Investoren leben, nutzen ihre Fähigkeit, die günstigste Plattform zu finden, zunehmend als Wettbewerbsinstrument.

Aber dennoch ginge vom Ausstieg zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Aktien erholen und die Börsen konsolidieren, ein negatives Signal aus: die Nutzer sind nicht in der Stimmung zu kämpfen. Investmentbanken könnten nur noch daran interessiert sein, ihren Handelsgeschäften nachzugehen, statt selbst eine Börsenplattform zu betreiben. Sollte der Wettbewerb in der Folge darunter leiden, dürfte der Kapitalgewinn aus dem Verkauf der Handelsplattform kaum dafür entschädigen.

Im Idealfall bleiben die Banken bei ihrem Projekt. Wenn aber nicht, so sollten sie zumindest nach einem Käufer Ausschau halten, der die psychische Energie aufbringt ihren Kampf fortzusetzen.

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