Börsengang Iberdrola
Keine allzu heiße Luft

Iberdrola hat eine ehrgeizige Preisspanne für den kommenden Börsengang ihrer Windenergie-Tochter Renovables festgesetzt. Aber die Spanne ist nicht unverschämt, wenn man bedenkt, wie stark die Regierungen jetzt erneuerbare Energien fördern, und angesichts der natürlichen Barrieren, die sich für Windanlagen beim Markteintritt aufbauen.

Iberdrola will die Begeisterung der Investoren für Windanlagen und erneuerbare Energien ganz ausreizen. Die Preisspanne, die der spanische Versorger für den bevorstehenden Börsengang seiner Tochter Iberdrola Renovables festgesetzt hat, ist ehrgeizig und in einigen Punkten sogar erstaunlich. Doch im Vergleich zu den Branchenkollegen und angesichts der zuträglichen Dynamik der Branche ist die Bewertung nicht unverschämt.

Am unteren Ende beläuft sich die Spanne auf insgesamt 22 Mrd. Euro. Renovables würde damit einen Wert von drei Mill. Euro pro installiertem Megawatt (MW) erreichen und im Trend jüngster Branchentransaktionen liegen. Eon hatte im vergangenen Sommer den viel kleineren spanischen Konkurrenten Energi E2 Renovables Ibericas für rund 2,8 Mill. Euro pro MW gekauft. Und EDF Energies Nouvelles, die Tochter für alternative Energiequellen der französischen EDF, wird mit rund 3,3 Mill. Euro pro MW bewertet.

Andererseits würde Iberdrola Renovables am oberen Ende der Spanne von insgesamt 30 Mrd. Euro einen Wert von vier Mill. Euro pro MW erzielen. Und in solchen Höhen wird die Luft natürlich schon dünner. Das Management des spanischen Versorgers mag Hoffnung aus der Erstemission von EDF Energies Nouvelles von vor fast einem Jahr schöpfen. Ihr Aktienkurs ist seitdem um 90 Prozent nach oben geschossen und das Unternehmen wird derzeit mit einem verblüffenden 31fachen des Betriebsgewinns für 2008 gehandelt. Das entspricht einem Aufschlag um 50 Prozent gegenüber Google.

Die Finanzberater von Iberdola könnten argumentieren, dass der Bereich alternative Energien des spanischen Versorgers fünf Mal größer ist als der von EDF. Die Spanier sind zudem Weltmarktführer in einer Branche, die sich zuversichtlich auf langfristige Gewinne einstellen kann. Das rechtfertigt einen Aufschlag. Überdies ist die Begeisterung für die Windenergie gar nicht so irrational und übertrieben, wie das vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Rückzug aus Rohöl und die Bemühungen, die CO2-Emissionen zu verringern, werden von den Regierungen unterstützt. Eine EU-Richtlinie sieht zum Beispiel vor, dass bis zum Jahr 2020 etwa 20 Prozent der Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen kommen muss. Die regulierten Preise wurden hoch genug angesetzt, um Investitionen und Wachstum zu fördern.

Für Windanlagen bestehen zudem von der Natur vorgegebene Einschränkungen: Es gibt eben nur eine begrenzte Anzahl von Klippen, auf die man eine Windmühle stellen kann. Hier haben Frühstarter einen entscheidenden Vorsprung. Wenn sich der Staub erst einmal legt und die natürlichen Eintrittstore zum Markt fest geschlossen sind, dann sehen die derzeitigen Bewertungen vielleicht gar nicht so übertrieben aus.

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