Bond-for-Debt-Swaps
Sauberer Trick belastet Bank-Bilanzen

Der Metallhändler Glencore könnte seine Kreditlinien in Anspruch nehmen - um seine eigenen Anleihen zum Discount-Preis zurückzukaufen. Ein sauberer Trick für Unternehmen, die noch über Kreditreserven verfügen, die sie nicht für andere Zwecke brauchen. Für die ohnehin schon strapazierten Bankbilanzen bedeutet die Schulden-statt-Anleihen-Strategie allerdings zusätzliche Belastungen.

Glencore: Unternehmen kaufen am Markt oft eigene Aktien zurück, wenn sie der Meinung sind, dass die Kurse gerade günstig stehen. Jetzt verfahren sie mit Anleihen genauso. Der Schweizer Metallhändler Glencore gab bekannt, darüber nachzudenken, seine Liquiditätsreserven - darunter eine zum Teil noch unausgenutzte Kreditlinie über 9,1 Milliarden Dollar - zum Rückkauf von ausstehenden Anleihen zu verwenden. Ein Schritt, den institutionelle Schuldner nur selten gehen. Die kreditgebenden Banken werden hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Der Schuldenrückkauf ist ein sauberer Trick für Unternehmen, die es sich leisten können. Die Glencore-Bonds mit dem frühesten Fälligkeitstermin werden gegenwärtig zu gerade einmal 54 Cent pro Dollar gehandelt. Wenn sie 2011 fällig werden, muss Glencore 800 Millionen Dollar zurückzahlen. Bietet das Unternehmen den Anlegern den heutigen Marktpreis plus eine Prämie von 10 Prozent, müsste es lediglich 475 Millionen bezahlen, um die Verpflichtung zu tilgen. Die Gesamtverschuldung reduziert sich dadurch um 325 Millionen Dollar. Und eine geringe Verschuldung könnte auch bedeuten, dass sich der Spread auf Glencores Credit Default Swaps (CDS) verringert, wodurch die Begebung von Anleihen in der Zukunft vereinfacht werden könnte.

Die kreditgebenden Banken werden über diese Verwendung von noch offenen Kreditzusagen wenig begeistert sein. Sie verdienen an neuen Kreditverträgen mehr als an den alten, noch vor der Krise geschlossenen Vereinbarungen. Die Banken und der Rentenmarkt orientieren ihre Kreditkonditionen dabei an den CDS-Preisen. Die Spanne, zu der zum Beispiel Glencores CDS gehandelt werden, ist im Verlauf von lediglich zwei Monaten von 200 Basispunkten auf gigantische 3 000 Punkte in die Höhe geschossen.

Hinzu kommt, dass die Banken ihre bereits stark strapazierten Bilanzen von weiteren Krediten freihalten wollen. Sie versuchen also alles, um ihre europäischen Kunden dazu zu überreden, ihre noch offenen Kreditlinien in Höhe von 3 Billionen Euro - wie Fitch Ratings schätzen - nicht anzutasten. Einige drängen die Schuldner dazu, ihre alten Linien gegen neue, größere und natürlich auch teurere Kreditreserven zu tauschen. Andere argumentieren, die Kunden sollten den Rückgriff auf die Kreditlinien tunlichst vermeiden, um nicht in den Verdacht zu geraten, finanzielle Probleme zu haben.

Für Unternehmen, die mutig genug sind, ihre Kriegskassen einzusetzen und damit die gute Beziehung zu ihren Banken zu riskieren, bieten Anleihenrückkaufsprogramme ein paar echte Schnäppchen. Aber auch die Banken haben ein gewichtiges Argument. Ihre Kreditlinien sollten grundsätzlich nur als zeitlich begrenzte Liquiditätsreserve oder letzte Zuflucht verstanden werden. Unternehmen, die diese Reserven heute leichtfertig einsetzen, haben vielleicht keinen Rettungsanker mehr, wenn sich die wirtschaftliche Situation weiter verschlechtert.

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