Boni
Es darf ruhig ein bisschen mehr sein

Bisher haben die Aktionäre weitgehend gleichgültig darauf reagiert, welch hohen Anteil an den Einnahmen die Banken an ihre Belegschaft zahlen. Doch jetzt begehren einige Investoren von Goldman Sachs auf. Angesichts des politischen Unmuts über den Finanzsektor erscheint der Zeitpunkt für die Banken perfekt, dieses Modell wieder aufzugreifen.
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Bank-Aktionäre: Die Bankaktionäre scheinen sich endlich dazu durchgerungen zu haben, eine größere Portion vom Kuchen zu beanspruchen. Bisher haben sie weitgehend gleichgültig darauf reagiert, welch übergroßen Anteil an den Einnahmen die Finanzfirmen an ihre Banker verteilen. Doch jetzt begehren einige Investoren von Goldman Sachs auf und verlangen niedrigere Boni und höhere einbehaltene Gewinne - um so den Aktienkurs nach oben zu hieven. Angesichts des politischen Unmuts über den Finanzsektor erscheint der Zeitpunkt für die Banken perfekt, dieses Modell wieder aufzugreifen.

Die Beweise sind dünn, die es rechtfertigen würden, dass Investmentbanker wie Hollywood-Stars oder wie Ausnahmeathleten unter den Profisportlern bezahlt werden. Doch die Aktionäre hatten sich in die Vorstellung gefügt, dass es vollkommen akzeptabel ist, wenn Bankangestellte über die Hälfte der Einnahmen ihrer Arbeitgeber verfügen. Die sich selbst erhaltende Idee, dass Leistungsträger mit immer höheren Boni belohnt werden müssen, auch wenn sie eine weitgehend standardisierte Dienstleistung erbringen, ist bisher ein integraler Bestandteil dieses oligopolistischen Systems.

In gewisser Hinsicht könnte Goldman Sachs sich allerdings nicht als ideales Ziel für die Unmutsbekundungen der Investoren eignen. Der Bonuspool der Bank wird am größten ausfallen - aber ihre Personalaufwandsquote möglicherweise nicht. Darüber hinaus sind die Aktionäre der Wall Street-Firma reich belohnt worden. So haben sie, die Dividenden eingeschlossen, ihr Geld im Verlauf der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt.

Goldman hat die Konkurrenten auch hinsichtlich der Eigenkapitalrendite und des Buchwerts je Aktie übertroffen.

Doch die Mitarbeiter von Goldman Sachs werden in diesem Jahr aller Voraussicht nach besser abschneiden als die Aktionäre der Bank. Die Firma, die im Schnitt die Vergütung im vergangenen Jahr stärker gekürzt hatte als ihre Branchenkollegen, liegt auf Kurs, die Rekordbonuszahlungen aus dem Jahr 2007 einzustellen. Der Gewinn je Aktie dürfte Schätzungen zufolge allerdings um 20 Prozent niedriger ausfallen als vor zwei Jahren, da Aktien emittiert werden mussten, um das Kapital aufzubessern.

Die Verzerrung bei der Vergütung ist keine Schwachstelle von Goldman Sachs, dieses Manko zieht sich durch die gesamte Branche. Und daher wäre es sinnvoll, wenn sich der Leitwolf unter den Investmentbanken als Vordenker gerieren würde. Weniger an Löhnen und Gehältern zu zahlen und mehr einzubehalten, würde nicht nur den Gewinn je Aktie und den Aktienkurs heben, sondern auch die anderen Gradmesser wie etwa die Eigenkapitalrendite, auf die Goldman Sachs die Aufmerksamkeit der Investoren ebenfalls lenken will. Die Aufsichtsbehörden werden eine Sonderdividende in diesem Jahr vielleicht nicht absegnen, doch diese einbehaltenen Gewinne könnten zu einem späteren Zeitpunkt an die Aktionäre verteilt werden.

Politiker, Aufsichtsbehörden und die Steuerzahler haben in einer populistischen Reaktion auf die Finanzkrise energisch gegen die überzogene Bezahlung protestiert. Die Bankaktionäre haben zudem einen legitimen Anspruch auf eine Kursänderung. Es wird höchste Zeit, dass sie sich nicht nur endlich auf die Debatte einlassen, sondern dass sie vielmehr deren Richtung vorgeben.

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