Boni-Klagen
Der aussichtlose Kampf der Dresdner-Banker

Die Boulevard-Zeitungen in Großbritannien sind außer sich vor Zorn. Insgesamt 72 britische Investmentbanker haben eine Klage eingereicht, um angeblich garantierte Boni einzutreiben, die die Commerzbank gekürzt hatte, nachdem sie die Dresdner Kleinwort gerettet hatte. Gemäßigtere Beobachter reagieren nicht ganz so empört, aber auch sie dürften die Argumente der Banker für nicht sehr überzeugend halten.
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Um 90 Prozent hatte die Commerzbank die erwarteten Bonuszahlungen bei ihrem Kauf der Dresdner Bank gekürzt. Dagegen klagen nun 72 Banker der früheren Investmentbanksparte der Dresdner Bank. Das Problem: Die Dresdner hatte ihnen keine schriftliche Garantie gegeben. Die Kläger müssen daher schon auf einen sehr verständnisvollen Richter hoffen.

Im vergangenen Dezember hatten die Bankmitarbeiter standardisierte Mitteilungen erhalten, die jeweils einen "vorläufigen Bonusbetrag" enthielten. Die Commerzbank zahlte in der Folge aber nur zehn Prozent des vorläufigen Betrags aus. Würde sich der Fall allein auf diese Memos stützen, dann wäre dies schon sehr gewagt. Die Wortwahl der Mitteilungen schließt Begriffe ein wie "nach Ermessen", "vorläufig", "einstweilig", "unterliegt der Überprüfung" und "behält sich das Recht vor, ?zu reduzieren". Nach unverbrüchlichen Garantien klingt das nun nicht gerade.

Die Jahresergebnisse von Dresdner Kleinwort landeten schließlich im tiefschwarzen Bereich. Das war das Ende für die Boni, sollte man annehmen. Doch vielleicht können die Banker aufzeigen, dass der berichtete Verlust der Bank irgendwie künstlich arrangiert wurde. Oder dass vor den Mitteilungen vom Dezember schon eine andere vertragliche Garantie existierte. Schließlich hatte das Management der Belegschaft im Sommer 2008 auf verschiedenen Versammlungen erzählt, dass ein Topf für die Zahlung von Boni reserviert worden sein.

Dies mag das Ergebnis der Ermutigung seitens der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority gewesen sein, die Mitarbeiter durch Anreize dazu zu bewegen, in schwierigen Zeiten an Bord zu bleiben. So habe die Regierung, so lautet das Argument, der Dresdner den unabänderlichen Befehl gegeben, eine gewisse Summe auszuzahlen.

Doch dieses Argument hat auch seine Schwächen. Sicher kann es mündliche Abmachungen geben, nicht alles muss schriftlich festgehalten werden. Doch warum und wie der Bonustopf entstanden ist - durch das gewöhnliche Geschäft oder auf Geheiß der Branchenaufsicht -, ist irrelevant. Und während keine Klarheit darüber herrscht, welche Formulierungen während dieser Treffen benutzt wurden, klingt es doch bei weitem nicht so, als wären individuelle Garantien mit einer spezifischen Zahl erteilt worden. Die Banker werden ihre Hoffnungen darauf setzen müssen, dass ein Richter akzeptieren wird, es sei ein stärkerer implizierter Vertrag etabliert gewesen, da die Dresdner üblicherweise in den vorhergehenden Jahren Boni ausgezahlt hatte.

Und schließlich wäre da noch das Argument der "Falschdarstellung" und der Opportunitätskosten: Die Banker, die sich auf die mündlich gegebenen Bonusversicherungen verlassen hätten, seien bei der Dresdner geblieben anstatt zu Firmen abzuwandern, die ihnen vielleicht mehr gezahlt hätten. Fälle, die sich um die Falschdarstellung von Tatsachen drehen, sind nicht aussichtslos. Doch es wäre das erste Mal, dass Banker mit dieser Begründung einen großen Gewinn einstreichen. Und der Richter könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass die verpasste Gelegenheit auf der Angst beruhte, bei einer konkurrierenden Firma schnell gefeuert zu werden.

Eine kaum bekannte Londoner Kanzlei hat sich des Falles angenommen. Sie unternimmt damit einen mächtigen Vorstoß in den Bereich der Bankprozesse - ein Territorium, auf das sich die etablierten Kanzleien des so genannten "magischen Kreises" nicht vorwagen, aus Angst, dass sie Präzedenzfälle gegen die Interessen ihrer großen Bankklienten setzen. Es ist gut zu sehen, dass es jemanden gibt, der es mit den Banken aufnehmen will. Doch es klingt ganz so, als habe dieser Fall nicht einmal die leiseste Chance auf Erfolg.

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