Bonus für Kerviel
Wer will schon Millionen verdienen?

Der betrügerische Händler Jerome Kerviel sollte für 2007 einen Bonus bekommen, der fünf Mal so hoch ausgefallen wäre wie der im Vorjahr. Société Générale besteht immer noch darauf, nichts von den „versteckten“ Gewinnen über 1,5 Mrd. Euro gewusst zu haben, die er im vergangenen Jahr mit nicht genehmigten Handelsabschlüssen eingefahren hatte. Wenn das stimmt, wofür war dann der Bonus?

Jerome Kerviel, der wohl berühmteste Händler von Société Générale, sollte für seine 2007 erzielten Leistungen einen Bonus über 300 000 Euro erhalten. Das wäre eine kräftige Aufstockung für einen Händler auf der unteren Hierarchie-Ebene gewesen, der im Jahr 50 000 Euro verdiente und für 2006 einen schon eher angemessenen Bonus von 60 000 Euro erhalten hatte. Die Zahlen stammen aus dem unter dem Stichwort „Mission Green“ laufenden Untersuchungsbericht zu dem Betrugsfall, der in dieser Woche von dem dreiköpfigen Sonderausschuss des Verwaltungsrats der Bank unter Vorsitz des ehemaligen Automanagers Jean-Martin Folz vorgelegt wurde.

Das Kreditinstitut hat bisher immer behauptet, an Kerviels Arbeit nichts Falsches oder Verdächtiges entdeckt zu haben – bis Anfang 2008. Aber irgendjemand irgendwo in der Bank muss der Meinung gewesen sein, dass Kerviel seine Leistungen innerhalb eines Jahres enorm gesteigert hat, und zwar so dramatisch, dass er eine Anhebung der Bonuszahlung um das Fünffache verdient.

SocGen besteht darauf, dass der Betrag nie tatsächlich an Kerviel ausgezahlt worden ist. Es sei nur darüber „diskutiert“ worden. Das wollen wir hoffen – die Boni-Empfänger wurden erst am 8. Februar über ihren Zusatzverdienst unterrichtet, also mehr als zwei Wochen nachdem die Bank ihren Verlust über 5,5 Mrd. Euro bekannt gegeben hatte. Aber das beantwortet die eigentliche Frage nicht: Warum waren die Vorgesetzten von Kerviel der Ansicht, dass seine Leistungen 2007 so außerordentlich gut waren?

Die kräftige Anhebung der Bonusanwartschaft erweckt den Eindruck, dass zumindest eine Person in der Bank bemerkt hat, dass Kerviel der Firma im vergangenen Jahr eine Menge Geld eingebracht hat – welches er mit einem realen, wenn auch versteckten Gewinn über 1,5 Mrd. Euro abgeschlossen hatte. Doch die Bank weigert sich zu erklären, warum sie ursprünglich zu der Entscheidung kam, diesen überaus kreativen Mann so reich zu entlohnen. Sie weigert sich zu sagen, wer in der Bank davon gewusst hat, dass Kerviel so viel Geld gemacht hat, und sie weigert sich darzulegen, warum seine wundersame Leistungssteigerung keinen Alarm ausgelöst hat.

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