Bonussteuer
Der Preis der Arroganz

Frankreich wird die gleiche einmalige Bonussteuer erheben wie Großbritannien. Wenn die Bankenbranche ihre Sitten nicht ändert, könnten weitere schmerzhafte Maßnahmen folgen.
  • 0

Paris werden sie nicht bekommen. Londoner Banker, die auf einen Wechsel ihres Steuersitzes gehofft hatten, um der überraschenden britischen Bonussteuer zu entkommen, werden keine Zuflucht in der französischen Hauptstadt finden. In einer offensichtlich abgestimmten Aktion wird Frankreich dem britischen Beispiel folgen und eine gleichartige, einmalige Steuer auf die Boni des Jahres 2009 erheben, soweit diese 27.000 Euro überschreiten.

Die Banker wussten, dass ihnen am Donnerstag ein zweiter Schlag bevorsteht, nachdem Gordon Brown und Nicolas Sarkozy in einer gemeinsam für das Wall Street Journal verfassten Kolumne die einmalige Bonussteuer als prioritär bezeichneten. Der britische Premierminister und der französische Präsident schrieben, dass Boni in diesem Jahr vor allem Regierungshilfen für das Bankensystem zu verdanken seien. Sie fügten hinzu, dass jede damit verbundene Maßnahme auf globaler Basis erfolgen sollte.

Man könnte nun erwarten, dass Deutschland bald die gleiche Steuer einführt. Schließlich ist Angela Merkel, genau wie Sarkozy, schon lange eine starke Fürsprecherin strikter Bonusregulierungen. In den letzten Monaten aber bildete ihre CDU eine Regierungskoalition mit der marktliberalen FDP. Merkels Härte gegenüber den Banken könnte beim steuerkritischen Koalitionspartner auf wenig Begeisterung stoßen.

Ob Deutschland nun mit von der Partie ist oder nicht, das rigorose Vorgehen von Brown und Sarkozy ist ein klares Zeichen zunehmender Ungeduld europäischer Regierungen mit dem Rückschritt der Bankenbranche, die zum Tagesgeschäft übergehen will, als ob in den letzten zwei Jahren nichts passiert wäre. Europäische Banken können nur sich selbst die Schuld für die neue Steuer geben, die eher auf moralischen als auf finanziellen oder praktischen Motiven beruht. Auch wenn dies kaum die richtige Grundlage für Besteuerungen sein dürfte, werden Banker keine neuen Freunde durch die offene Drohung gewinnen, einer Steuer durch die Verlegung ihre Handelssitze entkommen zu wollen.

Brown und Sarkozy erklärten, sie würden durch ihre Zusammenarbeit sicherstellen, dass künftig die Steuerzahler nicht mehr für die von Banken eingegangenen Risiken bezahlen müssen. Auch wenn sie die klare Botschaft verkünden, dass es sich um eine einmalige Steuer handelt, könnten weitere harte Maßnahmen ergriffen werden. Es könnte zudem mehr Gemeinsamkeiten bei der Regulierung der Finanzwelt zwischen London und Paris geben, als die bislang der Fall war.

Kommentare zu " Bonussteuer: Der Preis der Arroganz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%