Bonuszahlungen an US-Banker
Merrill – BofA 2:0

Boni über vier Mrd. Dollar waren im vergangenen Jahr an die Banker von Merrill Lynch geflossen. Von der geplanten Strafsteuer des US-Kongresses werden die Merrill-Boni nicht tangiert - wohl aber wären viele Mitarbeiter der Bank of Amerika gezwungen, 90 Prozent ihrer Prämien bei Uncle Sam abzuliefern. Dieses eine Mal ist Ken Lewis daran nicht schuld.
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Gerade als Ken Lewis sich fast schon selbst davon überzeugt hatte, dass es wieder aufwärts geht, kommt der US-Kongress daher. Die katastrophale Übernahme von Merrill Lynch hat den Chef der Bank of America (BofA) in den vergangenen Monaten schwer in Atem gehalten. Aber mit dem Anstieg des Aktienkurses, der sich eingestellt hatte, nachdem Lewis angekündigt hatte, sein Institut werde in diesem Jahr Gewinn bringend arbeiten - und nachdem der Aufruhr um die Bonuszahlungen bei AIG zuletzt das Hauptaugenmerk der Öffentlichkeit abgelenkt hatte - schien sich der Druck auf ihn und seine Bank etwas zu verringern. Der Plan des US-Repräsentantenhauses, eine Strafsteuer von 90 Prozent auf Boni zu erheben, könnte diese Entwicklung wieder umkehren.

Wie denn das? Nun, zunächst einmal strichen die Banker und Händler von Merrill zusammen Boni über fast vier Mrd. Dollar ein - eine hübsches Sümmchen, wenn man bedenkt, dass die Firma im vergangenen September vor die Wahl gestellt war, sich entweder in die Arme der BofA zu retten oder aber mit fast hundertprozentiger Sicherheit wie Lehman Brothers liquidiert zu werden.

Dieser Umstand allein hat schon zu beträchtlichem Unmut unter der BofA-Mannschaft geführt - nicht zuletzt bei ihrer Investmentbank, deren Mitarbeiter im Allgemeinen im vergangenen Jahr weniger - in vielen Fällen sogar weit weniger - verdienten als ihre neuen Kollegen. Später hat sich dann herausgestellt, dass Lewis im Voraus von der Bonus-Goldgrube bei Merrill gewusst hatte, was die Moral der Angestellten weiter untergraben hat.

Die Steuerpläne des Kongresses trifft die am härtesten, die ohnehin schon unterlegen sind. Die Banker und Händler der "Donnernden Herde" haben ihre Boni im Dezember erhalten. Das bedeutet, dass das Geld, das sie sich teilten, nicht mit dem neuen Strafsatz besteuert werden kann. Eine rückwirkend geltende Steuer auf das Kalenderjahr 2008 auszuweiten, wäre ganz sicher nicht verfassungskonform gewesen.

Die Angestellten der BofA allerdings haben nicht so viel Glück. Wie bei den allermeisten Wall Street-Mitarbeitern sind auch ihre Gratifikationen für 2008 erst in diesem Jahr auf ihren Bankkonten verbucht worden. Jeder, der über ein Haushaltseinkommen von über 250 000 Dollar verfügt, müsste also fast den gesamten Betrag an Uncle Sam weiterreichen. Das allein müsste schon ausreichen, um in der Kantine einige unangenehme Szenen heraufzubeschwören, ob der Gesetzesentwurf nun umgesetzt wird oder nicht.

Ironischerweise hatte gerade der Umfang der Bonus-Zahlungen von Merrill die aktuelle Empörung über die Boni überhaupt erst ausgelöst - bevor dann erst die Freigiebigkeit von AIG ans Licht kam. Natürlich kann man es kaum Lewis anlasten, dass Politiker ein unausgegorenes Gesetz zusammengerührt haben, das seine langjährigen Mitarbeiter eine Menge Geld kosten könnte, während die Kollegen von Merrill am Nebentisch ungeschoren davonkommen. Aber damit wird noch mehr Salz in die Wunden gestreut, die Lewis verursacht hat.

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