Die Staatenlenker sind sich einig. Gegen die Gehaltsexzesse in den Banken muss etwas getan werden. Aber nach zwei G20-Meetings können die Banker stärker als je zuvor darauf vertrauen, in diesem Jahr wieder einen großen Bonus einzustreichen.
Das jüngste G20-Kommuniqué vertritt solide Prinzipien. Es enthält einen "Aufruf an die Unternehmen" vernünftige Vergütungspraktiken zu verankern und die Forderung an das Financial Stability Board, darauf zu achten, dass seine Bonusstandards auch tatsächlich eingeführt werden. Diese Standards - eine Anpassung der Belohnung an die Risiken, der Rückbehalt eines Bonusanteils und eine Teilzahlung in Aktien - sind sinnvoll.
Aber Richtlinien sind keine verbindlichen Regeln und die Regierungen scheinen sich dagegen zu sträuben sie dazu zu machen. Es sieht eher so aus, als ob es die Politiker vorziehen, sich mit den Nachwirkungen des Bonusbooms, der sich in diesem Jahr ankündigt, zu beschäftigen, als jetzt schon mit Nachdruck zu handeln.
Die Fraktion der Bonusverteidiger schärft jedenfalls schon ihre Argumente. Die Summe der Bonuszahlungen im Jahr 2009 wird deutlich hinter dem Spitzenwert vor der Krise zurückbleiben. Die Banker werden sie überwiegend für Aktivitäten erhalten, die nur geringe Risiken bergen, wie zum Beispiel für den Handel in staatlichen Schuldtiteln. Und höhere Bankerboni bedeuten höhere Steuereinnahmen für die klammen Staatskassen.
Daneben erfüllen die Banken ihre Hauptaufgabe, ihre Bilanzen zu stärken. Die Geschäfte laufen so gut, dass viele Institutionen ihre Eigenkapitalquoten in diesem Jahr voraussichtlich werden erhöhen können, und dass sogar nach Ausschüttung von mehr als den historischen 50 Prozent ihrer Einkommen.
Aber wer so denkt, verkennt den Kern des öffentlichen Ärgers über die Bankervergütungen. Und er übersieht die wirtschaftliche Realität: diese Boni basieren auf Gewinnen, die ohne die massive Hilfe der Steuerzahler für den Finanzsektor niemals hätten erwirtschaftet werden können.
Noch nie waren die Boni weniger zu rechtfertigen als heute. Traurig, dass es nun ganz so aussieht, als ob eine Reformchance ungenutzt vergeben wird.