Bonuszahlungen
Investmentbanker verdienen zu viel

Die Banker von Goldman Sachs und Morgan Stanley verdienen in diesem Jahr deutlich weniger Geld. Aber damit kommen sie immer noch besser weg als die Investoren. Weitere Einschnitte bei der Vergütung sind notwendig.

Die Wall Street-Firmen sind bei den Gehaltskürzungen noch nicht weit genug gegangen. Es ist ausgeschlossen, dass sie noch einmal denselben Coup wie im vergangenen Jahr durchziehen können, als die damals noch fünf unabhängigen US-Investmentbanken es geschafft hatten, die Bezahlung um durchschnittlich fast ein Zehntel anzuheben, obwohl sich die Kreditkrise bereits munter entfaltete. Die beiden Wall Street-Firmen, die jetzt noch auf eigenen Füßen stehen - Goldman Sachs und Morgan Stanley -, haben bereits das Messer bei der Vergütung ihrer Banker angesetzt. Aber sie sollten weitere Einschnitte vornehmen.

In den ersten neun Monaten des Jahres hat Morgan Stanley rund 10,7 Mrd. Dollar an Gehältern gezahlt oder für Boni beiseite gelegt. Das entspricht einem Rückgang um fast 20 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Und Goldman Sachs hat bei einem Betrag von 11,4 Mrd. Dollar seine Vergütungen um 40 Prozent zurückgenommen.

Das hört sich jetzt vielleicht nach einem heftigen Rückgang an - was auch durchaus vernünftig erscheint, denn er spiegelt wider, dass bei beiden Firmen die Einnahmen geschrumpft sind. Aber im Moment kommen die Angestellten damit noch besser weg als die Investoren: Die Aktien von Morgan Stanley haben seit Beginn ihres Geschäftsjahrs im vergangenen Dezember um 70 Prozent und die von Goldman um 64 Prozent an Wert verloren.

Darüber hinaus bedeuten diese Zahlen, dass die Vergütung bei beiden Unternehmen im oberen Bereich ihres historischen Verhältnisses als prozentualer Anteil der Einnahmen liegt, nämlich bei 47 Prozent für Morgan Stanley und 48 Prozent für Goldman Sachs. In der jüngeren Geschichte hatte nur Morgan Stanley dies durchbrochen, als die Bank im vergangenen Jahr ein Verhältnis von 59 Prozent ausgewiesen hatte, nachdem im vierten Quartal eine Abschreibung über mehrere Milliarden Dollar verbucht werden musste.

Beide arbeiten zwar effizienter als viele ihrer Konkurrenten, aber sie könnten bei ihren Kürzungen unkomplizierter vorgehen, indem sie einfach zu dem Verhältnis von 41 Prozent zurückkehrten, das Goldman während der letzten Gewinnflaute an der Wall Street im Jahr 2002 angewendet hatte. Damit würden mehrere Milliarden Dollar aus dem Bonuspool abfließen, die Vergütung insgesamt würde sich eher den Rückgängen bei den Aktienkursen jeder Firma angleichen und möglicherweise würden sich auch einige ihrer Kritiker besänftigen lassen.

Ein solcher Schritt würde zwar nicht den gerechten Zorn derer lindern, die der Meinung sind, dass keiner an der Wall Street in diesem Jahr einen Bonus erhalten sollte. Solange es allerdings keine selbst auferlegte branchenweite Unterbrechung oder einen Regierungserlass gibt, werden die Investmentbanken weiterhin zum Jahresende ihre Belohnungen verteilen. Aber je mehr die Banken diese abschwächen können, desto besser.

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