Bovespa
Brasilianisches Fieber

Der überschäumende Anstieg der Aktien von Bovespa um 40 Prozent an ihrem ersten Handelstag war aus zwei Quellen gespeist worden: Zunächst einmal sind die Investoren immer noch enthusiastisch, wenn eine Börse den Schritt auf das Parkett wagt. Das hat schon einer Vielzahl von Börsen zu Höhenflügen verholfen. Zum zweiten sind die Anleger für Brasilien zuversichtlich gestimmt.

Zugegeben, die enormen Kursaufschläge sind schon ziemlich optimistisch. Aber die Aussichten der Börse – und die Brasiliens – könnten den Optimismus rechtfertigen.

Die Bovespa ist nicht die erste Wertpapierbörse Lateinamerikas, die öffentlich gehandelt wird – die Börsen in Kolumbien und Peru waren ihr mit ihrem Debüt erst kürzlich zuvorgekommen -, aber sie ist bei weitem die größte. Und sie wächst schnell. Über 50 Unternehmen wurden bisher in diesem Jahr zum ersten Mal an der Bovespa notiert, sie haben zusammen mehr als 24 Mrd. Dollar erlöst. Die Gewinne der Börse sind im ersten Halbjahr um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Und das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. Zudem hat die Bovespa seit 2002 Schritte eingeleitet, um die Standards der Corporate Governance zu erhöhen, wodurch sie für Investoren noch attraktiver geworden ist.

Der Preis ihrer Aktien war am oberen Ende der sowieso schon erweiterten Spanne festgesetzt worden und lag schließlich beim rund 35Fachen der Ergebnisse für 2007. Nach dem Startschuss legten die Aktien auf ein Schwindel erregendes 43Faches zu. Das ist ein guter Aufschlag zum Beispiel gegenüber dem 34,4Fachen von NYSE Euronext. Und er trägt eindeutig eine Dosis an Überschwang für die Börse und für das Land in sich.

Doch es sieht so aus, als wären sowohl das Land als auch die Börse weiter auf Wachstumskurs. Brasilien hat für 2007 eine geschätzte Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent und eine sinkende Auslandsverschuldung vorzuweisen. Der Bovespa-Index selbst ist in diesem Jahr um über 40 Prozent geklettert. Vergleicht man das mit einem Plus um zehn Prozent für den Dow-Jones-Index und einem Zuwachs um gerade einmal etwas mehr als sieben Prozent für den FT-SE-Index, dann ist es kein Wunder, dass so viel Geld in den Süden fließt.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Begeisterung der Investoren nicht unangebracht sein könnte.

Die Bovespa verfügt jetzt über eine harte Währung, mit der sie in das weltweite Handgemenge um die Konsolidierung der Börsen eingreifen kann. Sie könnte sogar kleinere Plätze in Lateinamerika schlucken und damit ihre regionale Vormachtstellung stärken. Oder sie könnte sich mit ausländischen Giganten zusammenschließen, um dabei mitzuwirken, wirklich globale Börsennetzwerke zu knüpfen. Angesichts des Interesses der Investoren an brasilianischen Wertpapieren, könnte sie eine verlockende Partnerin sein.

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