BP
Raues Klima

Der Aktienkurs von BP ist aufgrund von Schwierigkeiten um ein Joint Venture in Russland in den vergangenen zwei Wochen um zehn Prozent gefallen. Doch das Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP ist für die Zukunft des Erdölriesen auch nicht annähernd so wichtig, wie diese Einbußen vermuten lassen. Russland sackt ohnehin schon den Großteil der Gewinne ein, so dass die Beteiligung für BP nur noch rund sechs Mrd. Pfund Sterling wert ist. Und außerdem ist es vielleicht gar nicht so schlecht, sich dort zurückzunehmen.
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Für ausländische Erdölgesellschaften ist das politische Klima in Russland so unwirtlich wie das Wetter. BP ist nur das jüngste Beispiel in einer langen Reihe von westlichen Unternehmen, die sich immer stärker in einen Kampf mit ihren russischen Partnern verstrickt haben. Dieses Mal geht es darum, wer die Kontrolle über das paritätische Joint Venture TNK-BP erlangt. Auch der Kreml trägt seinen Teil zu dem Konflikt bei und verstärkt den Druck, indem die russische Regierung den Briten Steuerhinterziehung und Spionage durch BP-Mitarbeiter zur Last legt. Die Investoren befürchten allmählich das Schlimmste und haben die Aktien von BP in den beiden vergangenen Wochen um zehn Prozent bzw. rund elf Mrd. Pfund Sterling abgewertet.

Diese Reaktion sieht überzogen aus. Sicher, Russland trägt fast ein Viertel zu der derzeitigen Erdölförderung von BP bei, und rund 19 Prozent der nachgewiesenen Reserven stammen von dort. Aber gemessen am Gesamtwert von BP ist der Anteil viel kleiner. Im vergangenen Jahr hat TNK nur rund fünf Prozent des Cash Flow des Unternehmens ausgemacht. Die russischen Fässer sind für BP auch nicht mehr so viel wert, denn der Kreml sackt den Großteil der Gewinne ein, wenn der Ölpreis über das Niveau von 40 Dollar je Barrel steigt. Daher ist die russische Beteiligung von BP nur rund 6,1 Mrd. Pfund wert, schätzt JPMorgan. Und dies ist weit weniger als der Rückgang beim Aktienkurs.

Selbst wenn der britische Ölgigant sein Engagement in Russland morgen aufgeben müsste, kann die Investition kaum als Desaster betrachtet werden. Vor fünf Jahren hat die Firma acht Mrd. Dollar an Bargeld, Aktien und zu investierenden Vermögenswerten dafür gezahlt. Seitdem mussten die Briten keinen einzigen Cent mehr in das Vorhaben stecken, da sämtliche Investitionen des Joint Ventures aus dem Cash Flow von TNK bezahlt worden sind. Allerdings hat BP rund neun Mrd. Dollar für Dividendenzahlungen entnommen.

Aber eine komplette Enteignung ist ohnehin unwahrscheinlich. Der Kreml hat bisher ausländische Erdölgesellschaften nicht gleich ganz aus Russland vertrieben, sondern sich jeweils mit Nachdruck die Mehrheitsbeteiligung gesichert. Und für BP wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, sich bei dem russischen Joint Venture zurückzunehmen. Shell hat im vergangenen Jahr einen guten Preis erzielt, als die Firma dazu gezwungen worden war, die Kontrolle an dem riesigen Erdgasprojekt Sachalin-2 an die staatliche Gazprom abzugeben. Vielleicht würden dann die Investoren auch nicht mehr länger von wichtigeren Vermögenswerten in zuträglicheren Klimazonen abgelenkt werden - wie etwa von dem viel versprechenden Thunderhorse-Projekt im Golf von Mexiko.

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