BP-TNK
Es ist etwas faul

BP steht möglicherweise kurz davor, aus seinem russischen Gemeinschaftsunternehmen mit TNK geworfen zu werden. Plötzlich dämmert es auch dem Chief Executive von BP, dass da etwas nicht stimmt. Nun verlangt er von Russland, sich wie ein Rechtsstaat zu verhalten. Nachdem die Erdölgesellschaft jahrelang auf Schmusekurs mit dem Kreml gegangen war, ist es jetzt zum Jammern ein bisschen zu spät. Aber die anderen Investoren in Russland sollten genau aufpassen.
  • 0

Tony Hayward ist schockiert - schockiert! -, erkennen zu müssen, dass Russland nicht ganz auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit steht. Der Chief Executive von BP hat die Jahreshauptversammlung von Rosneft, dem staatlichen Erdölgiganten, dazu genutzt, um - tatsächlich recht zurückhaltend - auszuführen, dass der langfristige wirtschaftliche Erfolg des Landes von der Achtung der Eigentumsrechte und einer "konsequenten Anwendung der Rechtsstaatsprinzipien" abhängt.

Haywards plötzliche Erkenntnis, dass etwas faul ist im Staate Russland, ist ihm aufgrund der Verwirrung um TNK-BP zugeflogen. Im Grunde steht der Erdölriese kurz davor, aus dem Gemeinschaftsunternehmen geworfen zu werden, das die Briten vor fünf Jahren mit derselben Firma eingegangen waren, die sie in den neunziger Jahren um ihre russischen Vermögenswerte gebracht hatte. Die russischen Aktionäre von TNK-BP, die ihren Anteil wahrscheinlich bald an eine staatliche Gesellschaft, sei es Gazprom oder Rosneft, verkaufen werden, versehen im Moment die Aufgaben des Kreml und fordern den Kopf des Chefs des Joint Ventures, Robert Dudley. Sie werden bestmöglich von der Regierung dabei unterstützt, nicht einmal der erfundene Vorwurf der Steuerhinterziehung und der Verdacht auf Spionage durch BP-Mitarbeiter fehlen, um den Punkt auch ganz deutlich zu machen.

Dabei wird jegliche Sympathie für BP durch das Wissen getrübt, dass die Firma konsequent weggesehen hat, wann immer die russische Regierung gezeigt hat, dass sie sich um Rechtsgrundsätze im Grunde gar nicht schert. BP hat eingewilligt, das gigantische Erdgasfeld Kovytka an Gazprom zu verkaufen. Das Unternehmen hat sich auf Schmusekurs mit dem Kreml und seinen befreundeten Oligarchen begeben und dabei gehofft, die Kontrolle über seine russischen Vermögenswerte zumindest nicht ganz zu verlieren. Die Firma hat vorgegeben, nichts zu bemerken, als Wladimir Putin seinen Vernichtungsfeldzug gegen den ehemaligen Ölriesen Yukos und dessen Eigentümer und politischen Gegenspieler Mikhail Khodorkowsky eingeleitet hat - und zwar nur wenige Wochen, nachdem TNK-BP in London im Beisein von Tony Blair gefeiert worden war.

Lenin hat einmal geschrieben, die Kapitalisten würden Russland das Seil verkaufen, an dem sie aufgehängt werden würden. Hayward hat gerade die Schlinge um seinen Hals bemerkt. Aber es könnte ein bisschen zu spät sein, um nach Hilfe zu rufen.

Kommentare zu " BP-TNK: Es ist etwas faul"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%