Bradford & Bingley
Riskante Hypotheken-Wette

Die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft übernimmt einen B&B-Anteil zu einem Preis weit unter Buchwert und geht dabei davon aus, dass die britische Hypothekenbank über eine angemessene Kapitalbasis und ausreichend Liquidität verfügt. Allerdings verfügt B&B nur über einen begrenzten Franchise Value (Gegenwartswert zukünftiger Gewinne) und auch die jüngste Gewinnwarnung zeigt die Marktrisiken deutlich.

Einerseits macht TPG ein gutes Geschäft. Der amerikanische Finanzinvestor kauft einen 23-prozentigen Anteil an Bradford & Bingley zu einem Preis, der 72 Prozent unter Buchwert liegt, und erhält obendrein noch zwei Sitze im Aufsichtsrat. Dass B&B zur nächsten Northern Rock wird, ist unwahrscheinlich - Die Bank verfügt über noch unangetastete Kreditzusagen in Höhe von 2 Milliarden Pfund über die nächsten 2 Jahre und eine Eigenkapitalquote (Tier 1) von fast 8 Prozent, selbst vor der Kapitalerhöhung. Aber dennoch wagt TPG ein riskantes Spiel.

Erstens, die Geschäfte liefen in den ersten vier Monaten schlecht. Die Bank musste zwischen Januar und April Wertverluste in Höhe von 36 Millionen britischen Pfund hinnehmen, verglichen mit 23 Millionen Pfund im gesamten Jahr 2007. Die Nettozinsspanne fiel um 18 Basispunkte auf 0,98 Prozent. Die Ursache liegt in höheren Refinanzierungskosten bei gleichzeitig langsameren Kapitalrückflüssen. Schlimmer noch, die Zahlungsrückstände in den Büchern - der Anteil der Schuldner, die mit mehr als drei Monaten mit ihren Zins- und Tilgungszahlungen im Verzug sind - stiegen um 53 Basispunkte auf 2,16 Prozent.

Zweitens, es könnte noch schlimmer kommen. B&B rechnet damit dass die Rückstände weiter wachsen werden und die Nettozinsspanne auf zwischen 90 und 95 Basispunkte zurückfällt. Nach Ansicht des Unternehmens trägt hierzu vor allem die schlechte Geschäftsentwicklung beim amerikanischen Partner GMAC bei. Aber auch die Rückstände im Hauptgeschäft, der Finanzierung von Mietimmobilien, stiegen weiter von 0,93 Prozent auf 1,3 Prozent. Da der britische Markt für den Kauf von Mietobjekten nahezu tot ist und Investoren schon jetzt darunter leiden, wird es B&B schwer haben, hier Neugeschäft an Land zu ziehen.

TPG ist sich der Risiken wohl bewusst und will ihnen durch eine höhere Tier1-Eigenkapitalquote von9,8 Prozent begegnen. B&B hat das Kapital, um einen drastischen Markteinbruch zu verkraften. Aber der Substanzwert ist seit Dezember bereits um 15 Prozent gefallen und die Ergebnisse der letzten Monate, verbunden mit dem Ende des Mietobjekt-Booms, hat zu einem bedenklichen Rückgang des Franchise-Values von B&B geführt. TPG rechtfertigt seine Investitionsentscheidung mit langfristigen Interessen. Das ist auch gut so.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%