Branson/Northern Rock
Nicht noch eine Schmach

Hat Bransons Gier ihn um Northern Rock gebracht? Sie könnte sicherlich eine Rolle gespielt haben. Wenn man die Zahlen kurz überschlägt, so zeigt sich, dass die Virgin Group ihr eingesetztes Geld bereits verdoppelt hätte, bevor sich der Deal für den britischen Staat überhaupt erst gerechnet hätte. Das war offensichtlich zu viel der Schmach für die Behörden.

Richard Branson ist “sehr enttäuscht” über die Entscheidung der britischen Regierung, Northern Rock zu verstaatlichen. Er hat allen Grund dazu. Wie es aussieht, hat dieser Entschluss ihn eine Menge Geld gekostet. Schauen wir uns die Rechnung einmal an. Das Treasury hatte veranschlagt, dass die Marktbewertung von Northern Rock 2,7 Mrd. Pfund Sterling hätte erreichen müssen, bevor die Behörde von dem Deal, den Bransons Virgin Group vorgeschlagen hatte, profitiert. Wie viel Geld hätten Branson und Konsorten bis dahin gemacht?

Nun gemäß dem Vorschlag von Virgin wären die in Umlauf befindlichen Northern Rock-Aktien um das 13fache auf 5,4 Mrd. gestiegen. Das bedeutet, dass der Kurs, ab dem die Regierung einen Gewinn erwirtschaftet hätte, bei 50 p je Aktie gelegen hätte. Virgin und Partner waren zu 25 p je Aktie eingestiegen. Das beinhaltet eine extrem großzügige Selbstbewertung von Virgin Money von 250 Mill. Pfund für eine Mrd. Aktien.

Jetzt verbinden wir die beiden Seiten: Die Aktien von Branson hätten sich im Wert verdoppelt, bevor die Regierung auch nur einen Penny über die Gebühren für die Finanzierung des Hypothekenbuchs von Northern Rock hinaus verdient hätte.

Virgin & Co. können wohl vorbringen, ein Risiko eingegangen zu sein, und dass es lange hätte dauern können, bis sich der Aktienkurs verdoppelt hätte. Trotzdem hätte – selbst wenn es fünf Jahre gedauert hätte – die Jahresrendite für die neuen Investoren immerhin bei beachtlichen 15 Prozent gelegen. Aber Branson klang ganz und nicht danach, als hätte er mit einer derart langen Wartezeit gerechnet. Er propagierte die Marke Virgin als gewaltigen Faktor für die Kundengewinnung.

Aus welchen Gründen auch immer sind er und seine Investmentpartner offenkundig zu der Überzeugung gelangt, der Regierung kein großzügigeres Angebot vorlegen zu können. Das mag eine vernünftige Geschäftsentscheidung gewesen sein – oder es war Gier, gepaart mit einer überzogenen Verhandlungstaktik.

Auf jeden Fall waren die britischen Behörden in die Ecke gedrängt worden. Sie wollten keine schmachvollen Schlagzeilen lesen müssen, die proklamierten, dass „Branson profitiert, während die Steuerzahler vor sich hin schmoren“. Allerdings ist dies aber auch so ziemlich die einzige Peinlichkeit, die sie ausgelassen haben.

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