Branson & Bingley
Branson lässt seinen Worten keine Taten folgen

Virgin hat damit geprahlt, sein Markenname, sein Management und seine Liquidität könnten der angeschlagenen Northern Rock wieder Leben einhauchen. Wenn Richard Branson seiner eigenen Publicity trauen würde, würde er genau diese Ressourcen nutzen, um eine andere strauchelnde britische Kreditbank zu kaufen. Das aber wird er voraussichtlich nicht tun.

Fast hätte Richard Branson Gordon Braun überredet, ihm Northern Rock zu verkaufern. Der Unternehmer rühmte sich, seine Virgin Money habe den Namen, das Management und die finanziellen Mittel der in Schwierigkeiten steckenden britischen Hypothekenbank wieder auf die Beine zu helfen. Andere Banken haben ebenfalls zu kämpfen. Wenn Branson dem Rummel um sein Finanzdienstleistungsunternehmen trauen würde, müsste er jetzt, wo die Aktien billig sind, zugreifen. Bisher aber gibt es keine Anzeichen, dass seinen Worten Taten folgen.

Die Aktien von Bradford & Bingley oder Alliance & Leicester brachen seit Beginn der Kreditkrise im vergangenen Sommer um mehr als die Hälfte ein. B&B wird gegenwärtig zu einem Kurs gehandelt, der 87 Prozent seines Buchwertes entspricht. Keines der Unternehmen ist so belastet wie Northern Rock, aber die Einlagen wachsen nur schleppend und die Finanzierung ist über Jahressicht hinaus nicht mehr gesichert. Die Banken könnten eine Revitalisierung gut gebrauchen.

Warum also zeigt sich Branson nicht als Retter aus der Luft und eilt im Ballon, in dem er von allen bewundert den Atlantik überquerte, zur Hilfe? Vielleicht weil dieses Unternehmen, wie auch seine letzte Aktion, überwiegend durch heiße Luft angetrieben war. Es kann schon sein, dass Bransons Behauptung, Virgin habe einen besseren Ruf als Northern Rock, begründet ist. Aber das ist noch lange kein Grund zum Prahlen. Schließlich erwies sich der Name Virgin beim Kabelnetzbetreiber NTL nicht als Allheilmittel, ganz zu schweigen von Cola- und anderen Einzelhandelsunternehmungen.

Im Zusammenhang mit dem Northern-Rock-Vorhaben wurde Virgin Money mit 250 Millionen britischen Pfund bewertet. Nicht gerade ein umwerfender Wert für ein Unternehmen, das bereits seit 13 Jahren am Markt ist. Und er liegt auch noch um mehr als das Doppelte über den Werten, die dem Unternehmen nach herkömmlichen Branchenkennzahlen, wie zum Beispiel dem Nettovermögenswert, zugemessen werden.

Wenn Branson wirklich das richtige Werkzeug hat, um eine Kreditbank im Privatkundengeschäft zu sanieren, dann sollte ein Korb von Northern Rock ihn nicht entmutigen. Für nur wenig mehr als die 1,3 Milliarden Pfund; die er aufbrachte, um 55 Prozent von Northern Rock zu erwerben, könnte er B&B ganz übernehmen.

So aber sieht Virgins Gebot für The Rock eher aus wie ein opportunistischer Trick, um von der Finanzspritze der Regierung zu profitieren, von der mindestens 25 Milliarden Pfund staatlich garantiert sind. Die Chancen, schon bald von Branson & Bingley oder Virgin & Leicester sprechen zu hören, scheinen da gering. Das liegt wohl daran, dass nur eine Kooperation ihm die Chance bietet, wirklich Geld zu machen: Branson & Brown.

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