Brauerei-Übernahme
Ein wenig abgestanden

Wie schlecht gelagertes Exportbier hat die Verteidigung des Bierkonzerns Scottish & Newcastle (S&N) gegen das Übernahme-Angebot von Carlsberg und Heineken einen leicht schalen Beigeschmack. Die britische Brauerei wollte untermauern, warum die Konkurrenten zu wenig bieten. Dabei ist leider herausgekommen, dass das Geschäft auf dem europäischen Kernmarkt nicht besonders gut läuft.

Wie schlecht gelagertes Exportbier hat die Verteidigung des Bierkonzerns Scottish & Newcastle (S&N) gegen das Übernahme-Angebot von Carlsberg und Heineken einen leicht schalen Beigeschmack. Die britische Brauerei S&N hat einen Überblick über den gegenwärtigen Verlauf ihrer Geschäfte gegeben, um zu untermauern, warum die Konkurrenten Carlsberg und Heineken mit ihrer Offerte von 750 Pence je Aktie zu wenig bieten. Wie erwartet, lag das Hauptaugenmerk dabei auf dem schnellen Wachstum von BBH, dem russischen Joint Venture, auf das es Carlsberg abgesehen hat. Aber bei diesem Vorgang hat Scottish & Newcastle auch den schlechten Zustand seines europäischen Kernmarkts enthüllt und damit nicht gerade den Sieg davongetragen.

Der Aktionsplan der belagerten Brauerei sieht ziemlich fadenscheinig aus. Sie will den größten Teil ihres Verluste schreibenden französischen Großhandelsbereichs für 85 Mill. Pfund Sterling verkaufen. Zudem sollen auf dem britischen Schlüsselmarkt einige Joint Venture in der Produktion eingerichtet werden. Fügt man dem noch einige echte Kosteneinsparungen hinzu, dann erhält man 32 Mill. Pfund extra, die S&N seinen Aktionären anbieten kann. Das entspricht einem besteuerten, kapitalisierten Wert von rund 230 Mill. Pfund. Vor dem Hintergrund einer Offerte über 9,5 Mrd. Pfund bringt das die Nadel allerdings kaum zum Schwingen.

Gleichzeitig deutet das düstere Bild in Westeuropa, wo S&N zwei Drittel seines Betriebsgewinns erwirtschaftet, in die andere Richtung. Der Umsatz im französischen Einzelhandel war im dritten Quartal um neun Prozent gefallen und in Belgien um nicht viel weniger. Und die großen Erwartungen, die S&N für das kommende Jahr in Großbritannien setzt, gründen sich scheinbar vor allem auf den Glauben, dass das Wetter besser werden wird.

Die eigentliche Debatte um den Wert des Unternehmens dreht sich allerdings immer noch um BBH. Die rund vier Mrd. Pfund, die das derzeitige Angebot impliziert, bewerten das schnell wachsende Unternehmen mit einem relativ bescheidenen Zwölffachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für das kommende Jahr. Ein Vielfaches von 15, das die Offerte um rund 100 Pence aufwerten würde, wäre von S&N nicht so einfach zurückzuweisen.

Der Haken an der Sache ist, dass Carlsberg und Heineken Schwierigkeiten dabei hätten, sich so weit zu strecken. Schließlich betrifft der Abschwung auf den europäischen Märkten auch sie. Heineken ist in Frankreich die Nummer zwei. Carlsberg hat in Großbritannien einen Marktanteil von rund 13 Prozent. Selbst zu 750 Pence je Aktie dürften sie es wahrscheinlich nicht schaffen, eine akzeptable Anlagenrendite zu erzielen – was erklärt, warum die Aktien von Carlsberg bereits um 15 Prozent nachgegeben haben. Der fast einer Gewinnwarnung gleichkommende Lagebericht von S&N mag schlecht für den britischen Brauer sein. Aber es sind auch keine guten Nachrichten für seine Verfolger.

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