BRIC-Gipfel
"BIC-Länder" könnten eine Zukunft haben

Russland ist Gastgeber einer BRIC-Konferenz. Die Gäste aus Brasilien, Indien und China können viel voneinander lernen. Eine Kombination aus chinesischer Produktion, indischer Demokratie und den Ressourcen sowie der Geldpolitik Brasiliens wäre weltweit unschlagbar. Es ist nur schwer zu sehen, wie Russland in die Gruppe passen soll.
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Russland ist der Gastgeber einer BRIC-Konferenz in Jekaterinenburg. Hochrangige Vertreter der B-, I- und C-Staaten der Gruppe werden vor Ort sein, etwa die Präsidenten von China und Brasilien sowie der indische Premierminister. Die Gäste können viel voneinander lernen. Eine Kombination aus chinesischer Produktion, indischer Demokratie und den Ressourcen sowie der Geldpolitik Brasiliens wäre weltweit unschlagbar. Es ist nur schwer zu sehen, wie Russland in die Gruppe passen soll.

Bezogen auf den Handel ist China das einzige BRIC-Land, das einen der fünf größten Partner für jedes der anderen Länder darstellt. Dies reflektiert die zielstrebige Konzentration der Chinesen auf Investitionen in das Produktivitätswachstum im erzeugenden Gewerbe. Die anderen Länder, deren Industrielandschaft noch Lücken aufweist, würden gut daran tun, den Chinesen nachzueifern.

Indien hat unter den vier BRIC-Staaten die längste und nachhaltigste demokratische Tradition. Auf lange Sicht haben demokratische Regierungen die besten Chancen, die Einheit in sich wandelnden Staaten aufrecht zu erhalten. Russland und China sollten sich das merken. Indien hat zudem einen unübertroffenen Informationstechnologie-Sektor und verfügt über hervorragende Ressourcen im Wachstumsbereich international gehandelter Dienstleistungen.

Brasilien kann auf seine geldpolitische Umsicht verweisen, die sinnvollerweise von China kopiert werden könnte, und auf eine finanzpolitische Zurückhaltung, die sich Indien zum Vorbild nehmen sollte. Das Land am Zuckerhut ist zudem hoch entwickelt in Bezug auf die Nutzung natürlicher Ressourcen. Eisenerz, dass China in großem Stil verbraucht, macht am meisten Schlagzeilen. Doch auch die Ölförderung von Petrobras auf hoher See ist effizient, und das auf Zuckerrohr beruhende Ethanolprogramm ist äußerst lukrativ bei einem Ölpreis von 70 US-Dollar pro Fass. Es könnte als Beispiel dienen für die BRIC-Staaten, aber auch für die USA.

Es gibt aber auch noch Russland. Die Russen haben ihre riesigen Öl- und Gasreserven zu oft als politische Waffe eingesetzt, oftmals ohne viel Rücksicht auf die Gesetzeslage. Die Verwaltung der Ressourcen ist mangelhaft, die Demokratie ist fragwürdig, und die Geld- und Finanzpolitik ist sehr locker. Die russische Produktion und der Dienstleistungssektor haben sich zwar verbessert, mit der Konkurrenz aus China können sie aber nicht mithalten.

Alle vier Länder könnten vielleicht eine gemeinsame Politik entwerfen, um den Forderungen der alten, reichen Nationen in Bezug auf Währungen und Handel etwas entgegenzusetzen. Man kommt aber kaum um die Einsicht herum, dass Russland der Gruppe nur wegen einer netten Abkürzung von Goldman Sachs angehört.

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