Britische Bankaktien: Leerverkaufsverbot abschaffen!

Britische Bankaktien
Leerverkaufsverbot abschaffen!

Nach Ansicht einiger Politiker ist es noch zu früh dafür, dass die Kurse britischer Finanztitel wieder zur Zielscheibe von Leerverkäufern werden dürfen. Aber das Verbot hat sich als unwirksam erwiesen, den Schwankungen der Kurse von Banktiteln Einhalt zu gebieten. Würde das Verbot wieder abgeschafft, könnte das Vertrauen in den Sektor vielleicht tatsächlich gestärkt werden, denn eine echte Preisfindung würde dadurch erleichtert.

Das Verbot von Leerverkäufen von britischen Finanztiteln sollte fallen gelassen werden, wenn es im Verlauf dieses Monats wie vorgesehen einer Überprüfung unterzogen wird. Das angestrebte Ziel war vernünftig, aber das Mittel hat sich als unwirksam herausgestellt – und eine Verlängerung könnte mehr Schaden als Nutzen bringen.

Die britische Bankenaufsicht Financial Services Authority hatte innerhalb von wenigen Tagen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September weit reichende Einschränkungen bei Leerverkäufen von britischen Finanztiteln eingeführt. Die Schritte richteten sich gegen die negative Rückkopplungsschleife auf den Märkten: Fallende Kurse lösten die Besorgnis aus, ob die Institute in der Lage wären, noch Kapital zu sammeln, was wiederum zu sich ausweitenden Spannen bei den Credit Default Swaps führte und dies wiederum zu niedrigeren Kursen. Durch diese Spirale erhöhte sich die Gefahr eines katastrophalen Sturms auf die Banken.

Wenn rücksichtslose Leerverkäufer für diesen Teufelskreis verantwortlich gewesen wären, dann wäre das Verbot gerechtfertigt gewesen – und es beizubehalten, wäre eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme. Aber es sieht nicht so aus, als ob die Baisse-Spekulanten den Großteil des Schadens angerichtet hätten. Die Aktien von Royal Bank of Scotland waren zwischen Anfang September und dem Einsetzen des Verbots um ein Drittel gefallen. Seitdem Leerverkäufe auf britische Finanztitel untersagt sind, haben die RBS-Titel um rund 75 Prozent verloren.

Der Bann hat zudem nicht dazu beigetragen, die Ängste um die Angemessenheit der Finanzierungen und der Kapitalausstattung zu beschwichtigen. Eine Panikattacke der Investoren im Oktober hatte zu einem massiven Kurseinbruch bei den Papieren von Royal Bank of Scotland, HBOS und Barclays geführt. Eine hastige Rettungsaktion für die britischen Institute war notwendig.

Die britische Regierung hat signalisiert, alles Nötige zu veranlassen, um sicherzustellen, dass die Banken gut mit Kapital ausgestattet sind und weiter Kredite vergeben. Sie hat ihren Worten auch Taten folgen lassen, indem sie Aktien gekauft und Finanzierungsgarantien ausgesprochen hat. Während die Regierung zwar nicht erpicht darauf sein mag, die Banken mit noch mehr Kapital zu versorgen, schließt sie allerdings auch nichts aus.

Eines Tages wird das Verbot aufgehoben werden müssen, und diese Aussicht sollte bereits in den Kursen berücksichtigt sein. Darüber hinaus birgt eine Verlängerung Risiken in sich. Leerverkäufe spielen eine wichtige Rolle bei der Preisfindung. Die Investoren könnten den wahren Aktienkurs eines Unternehmens anzweifeln, wenn keine Leerverkäufer da sind, um seinen Wert zu testen. Ohne künstliche Einschränkungen könnten die Anleger sich sicherer sein. Und das könnte etwas entfachen, was dem Finanzsektor so schmerzlich fehlt – nämlich Vertrauen.

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