Britische Banken
Barclays: kalkuliertes Risiko

Barclays wird die Versicherung ihrer Vermögenswerte durch die britische Regierung nicht in Anspruch nehmen und so die Kontrolle über ihre Strategie und ihre Vergütungspolitik behalten. Die wiederholte Zurückweisung staatlicher Unterstützung ist zwar gefährlich für beide Seiten, aber der Selbsthilfeplan könnte funktionieren.
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Die Wette von Barclays könnte sich auszahlen. Die britische Bank verzichtet erneut auf staatliche Hilfe: Sie wird auch den Versicherungsplan der britischen Regierung nicht nutzen, um mit dessen Hilfe Verluste bei Teilen ihrer Bilanz zu begrenzen. Doch die Investoren versprechen sich etwas davon, dass Barclays die Macht behält, selbst ihre Strategie und Vergütungspolitik festzulegen. Vielleicht handelt es sich hierbei also um ein kalkuliertes Risiko, das einzugehen sich lohnt.

Sich dem Zugriff des Staates zu entziehen, wird große Vorteile mit sich bringen. Barclays wird mehr Spielraum bei der Vergütung haben - eine nützliche Ausgangslage für ein Institut, das seine Investmentbank ausbauen will. Sie wird geringerem politischem Druck ausgesetzt sein, mehr Kredite zu vergeben. Und die Bank wird auch in der Lage sein, ihr lukratives Geschäft, Kunden legal bei der Steuervermeidung unter die Arme zu greifen, weiter zu betreiben.

Ein großes Risiko liegt allerdings darin, dass sich die Wirtschaftslage noch einmal entscheidend verschlechtert und es Barclays unmöglich macht, Kapital privat einzusammeln. Anstatt jetzt einen Anteil von vielleicht 25 Prozent an den Staat abzugeben und im Gegenzug dafür den Schutz ihrer Vermögenswerte zu erhalten, könnten immer weiter um sich greifende Verluste den Aktionären den Garaus machen und den britischen Steuerzahlern letztendlich eine umso größere Rechnung aufhalsen.

Aber die britische Finanzaufsicht macht gute Pokermiene zu dem gewagten Spiel. Die Financial Services Authority hatte bereits durchblicken lassen, dass sie gegenüber der Teilnahme von Barclays an dem Programm zwiespältig ist. Es reiche ihr, dass die Tier 1-Kapitalquote der Bank nicht unter die vorgeschriebenen vier Prozent fallen dürfte. Ein Verkauf des Fondsmanagers iShares, der von Barclays ernsthaft in Betracht gezogen wird, könnte einen zusätzlichen Puffer schaffen.

Darüber hinaus könnte Barclays in diesem Sommer wohl versuchen, Kapital aufzunehmen, nachdem die von ihren Investoren aus der Golfregion gehaltenen Notes Ende Juni gewandelt werden. Diese Transaktion vorzuziehen, würde aufgrund von Vorkehrungen gegen eine Verwässerung kostspieliger ausfallen. Und selbst im Juli könnte die Bereitschaft, sich an Bezugsrechtsemissionen zu beteiligen, immer noch begrenzt sein. Aber da Barclays unabhängig ist, dürfte sie in der Schlange ganz vorne stehen.

Wagnisse einzugehen, ist für Barclays fast schon zum Lebensstil geworden. Den angespannten Aktionären der Bank haben sich jetzt die britischen Steuerzahler beigesellt. Zusammen treten sie eine möglicherweise äußerst spannende Reise an.

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