Britische Banken
Die Gehaltspolizei

Der so genannte Walker-Bericht zur Neugestaltung der Bezahlung britischer Banker trifft nicht ins Schwarze. Die Vergütungsvorschläge erscheinen ein wenig konfus.
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Die verzerrten Anreizstrukturen für Banker haben dazu beigetragen, dass sich die Finanzkrise beschleunigt hat. Aber die jüngsten Vorschläge zur Reform der Vergütung in der City of London, die dem von der Regierung in Auftrag gegebenen so genannten Walker Review zu entnehmen sind, treffen nicht ins Scharze. Denn sein Urheber, Sir David Walker, scheint sich aufzureiben zwischen seinen Bemühungen, eine künftige Krise zu vermeiden, den Banken dabei zu helfen, den Shareholder Value zu maximieren und den Politikern eine Handhabe zu geben, um hoch bezahlte Banker in ihre Schranken zu verweisen. Kein Wunder, dass seine Vergütungsvorschläge ein wenig konfus erscheinen.

Die einseitigen Wetten der Banker, die darin bestehen, in guten Zeiten ein Vermögen anzuhäufen und den Steuerzahlern die Verluste zu überlassen, wenn es schief geht, müssen ein Ende haben. Aber die britische Branchenaufsicht Financial Services Authority zielt darauf ja ohnehin schon ab, indem sie Banken mit mangelhaften Entlohnungspraktiken auferlegt, einen größeren Anteil der Vergütung zurückzustellen und höhere Eigenkapitalquoten vorzuweisen.

Diese Vorstellungen erkennt Walker an. Aber dann fügt er eine ganze Reihe von Vorschlägen hinzu, die einen äußerst ausgeprägten Vorschriftcharakter haben - so sollte zum Beispiel mindestens ein Viertel der variablen Vergütung für mindestens fünf Jahre nicht auf den Empfänger übergehen. Wenn derartige Einzelheiten wirklich notwendig sind, um künftige Krisen zu vermeiden - und daran lässt sich zweifeln -, dann ist dies eine Aufgabe für die Branchenwächter. Wenn andererseits die Interessen der Aktionäre geschützt werden müssen, dann sollte es sicherlich den Bankvorständen gestattet werden, in gewissen Maß ihr Urteilsvermögen geltend zu machen.

Walker macht den Fehler, sich ganz auf die variable Vergütung zu konzentrieren. Angesichts der öffentlichen Empörung über die Bonuszahlungen ist dies nur allzu verständlich. Aber dies wird weiter dazu beitragen, den abträglichen Trend zur Erhöhung der Grundgehälter der Banker zu verstärken. Einer der wenigen guten Aspekte am alten Vergütungsmodell der Branche war, dass die Grundgehälter relativ bescheiden waren. Es bestand daher der Spielraum, dass die Banker einen Großteil der Belastungen abbekamen, wenn ihre Institute durch harte Zeiten gingen.

Walkers übertrieben auf Vorschriften abstellender Ansatz wird auch in seinem Vorschlag deutlich, dass Vergütungsausschüsse die Bezahlung aller Banker kontrollieren sollten, die mehr bekommen als der Durchschnitt der geschäftsführenden Vorstandsmitglieder. Natürlich sollten die Ausschüsse auf besonders gut bezahlte Führungskräfte, wie zum Beispiel Roger Jenkins von Barclays Capital, aufpassen, die nicht zum Vorstand gehören. Aber die Vorstellung, dass sie jeden kontrollieren sollten, der mehr erhält als ein durchschnittliches Vorstandsmitglied, ist zu zwanghaft. In einigen Banken könnten sie dann leicht in der Papierflut untergehen.

Und zum Schluss schauen wir uns doch den vielleicht auffälligsten unter Walkers Vorschläge an: Die Vergütung aller hoch bezahlten Banker sollte öffentlich dargelegt werden. Das hat nun wirklich nichts mit der Verbesserung der Unternehmensführung zu tun oder mit der Abwendung künftiger Krisen. Vielmehr setzt Walker alles daran, bei den Politikern Effekthascherei zu betreiben. Doch Walker, der seit langer Zeit in einer führenden Position bei Morgan Stanley beschäftigt ist, ist dabei nicht aufs Ganze gegangen. Die Hochbezahlten würden nämlich nicht namentlich genannt, ihre Vergütung würde nur gruppenweise offen gelegt. Angesichts dieses Kompromisses dürften sogar die Politiker nicht so ganz die Schlagzeilen kriegen, die sie sich erhoffen.

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