Britische Banken
Die Stunde der Wahrheit

Der britische Premierminister Gordon Brown will, dass die Banken endlich damit herausrücken, wie stark sie wirklich toxischen Papieren ausgesetzt sind. Wollen wir hoffen, dass er es ernst meint. Wenn die Banken dabei ihre faulen Vermögenswerte nur unter den Teppich kehren, würde man die Steuerzahler übers Ohr hauen.

Der britische Premier Gordon Brown will, dass die Banken des Landes endlich auspacken, wie schlecht es wirklich um sie bestellt ist. Wollen wir hoffen, dass es ihm ernst damit ist.

Die britische Regierung rüstet sich erneut zur Rettung des Bankensystems. Ein mehrgleisiger Plan soll die Finanzinstitute vor allem wieder dazu bewegen, Kredite zu vergeben. Vorgesehen ist eine staatliche Versicherung für den Fall, dass sich Not leidende Vermögenswerte in noch katastrophaleren Giftmüll verwandeln.

Das könnte durchaus eine gute Idee sein. Es besteht eine derart große Verunsicherung darüber, wie schwer die Rezession ausfallen wird, dass die Banken keine klare Vorstellung davon haben, wie hart ihre Bilanzen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die US-Regierung hat bereits eine Art Versicherungsprogramm für die Citigroup und die Bank of America in die Wege geleitet: Die Banken stehen für die ersten Verluste bei verseuchten Vermögenswerten - in Höhe von rund zehn Prozent - gerade, und danach übernimmt der Staat 90 Prozent der Einbußen. So kommen die Banken mit ihren Torheiten und ihrem Pech nicht vollkommen ungeschoren davon, aber für sie wird ein Sicherheitsnetz gespannt.

Der Teufel wird bei einer solchen Rettungsaktion allerdings im Detail stecken - im Besonderen darin, wie die Vermögenswerte, die versichert werden sollen, überhaupt bewertet werden. Und da kommt der Punkt von Brown ins Spiel, dass die Banken endlich mit der Wahrheit herausrücken sollten. Die Vermögenswerte sollten zu Marktwerten oder zumindest zu quasi marktgängigen Sätzen abgeschrieben werden - selbst wenn dies dann bedeuten würde, dass einige Banken vielleicht weitere Kapitalspritzen vom Staat benötigen. Tatsächlich hat die US-Regierung genau dies bei der Citigroup und der Bank of America vorexerziert - sie hat die Versicherung toxischer Vermögenswerte mit neuem Kapital über 20 Mrd. Dollar für jede Bank verbunden.

Man kann sich jedoch vorstellen, warum in Großbritannien versucht werden könnte, bei dieser Angelegenheit zu schummeln. Nicht nur, dass sich die meisten Banken dagegen sträuben, dass sich der Staat bei ihnen immer breiter macht, sondern auch die Regierung selbst könnte es vielleicht vorziehen, kein hartes Geld zu verteilen.

Allerdings würden die Steuerzahler großen Risiken ausgesetzt, wenn man es versäumte, die Vermögenswerte auf ein vernünftiges Niveau abzuschreiben. Darüber hinaus wäre es nicht transparent. Angesichts der Tatsache, dass die Märkte in den vergangenen 18 Monaten von Undurchsichtigkeit heimgesucht wurden, sollte der Staat sich jetzt um größtmögliche Klarheit bemühen.

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