Britische Banken
Eine Chance für China

Es wird erwartet, dass die britische Regierung ihre Bankbeteiligungen in einer Reihe von Marktauktionen verkauft. Das ist aber wahrscheinlich nicht der Weg, auf dem sich am meisten für die Steuerzahler herausholen lässt. Eine lukrative Alternative könnte darin bestehen, einen Teil der Aktien paketweise an Staatsfond oder chinesische Banken zu verkaufen.
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Die britische Regierung sollte offener mit der Frage umgehen, wer einen Anteil an den quasi-nationalisierten Banken des Landes übernehmen darf. Am Markt wird erwartet, dass UK Financial Investments (UKFI), die Behörde, die mit dem Management des Anteilsverkaufs betraut ist, 70 Prozent der staatlichen Anteile an der Royal Bank of Scotland und 43 Prozent der Beteiligung an Lloyds Banking Group im Rahmen einer Reihe von Marktauktionen abgeben wird. Dass ist aber bei Weitem nicht die einzig mögliche Exit-Strategie.

Die Liste der RBS - und Lloyds-Interessenten umfasst wahrscheinlich weitaus mehr Kandidaten als institutionelle Anleger aus dem Westen. Schon deshalb, weil UKFI einen ganzen Berg von Aktien zu platzieren hat und westliche Käufer das Angebot gar nicht in vollem Umfang aufnehmen können.

Strategische Investoren aus Asien könnten - nach der Einschätzung eines mit der asiatischen Denkweise vertrauten Experten - einen Teil des Bodensatzes übernehmen. Dabei dürfte die Tatsache, dass die fraglichen Kreditinstitute in reifen, kaum wachsenden Ländern operieren, den Enthusiasmus der Anleger kaum dämpfen. Zumindest solange die Banken plausibel machen können, dass sie ordentliche Renditen auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften.

Unter den Interessenten befinden sich nicht nur Staatsfonds wie Temasek aus Singapore, die bereits andere Beteiligungen an westlichen Banken erworben haben, sondern wahrscheinlich auch die großen chinesische Banken. Industrial and Commercial Bank of China und China Development Bank haben ihren Fuß schon mit Investments in die südafrikanische Standard Bank und Barclays in die Tür gesetzt. Mit der wachsenden chinesischen Wirtschaft dürfte auch das Interesse zunehmen, im Ausland starker präsent zu werden und sich an westlichen Vermögenswerten zu beteiligen.

Britische Politiker sind vielleicht nicht gerade glücklich über den Gedanken weitere Teile der "GB plc" an Ausländer abzugeben. Das aber sollte UKFI kalt lassen. Ihre Aufgabe besteht darin, das Vermögen der britischen Steuerzahler zu sichern und die Banken wieder vollständig in private Hände zurückzuführen. In jedem Fall scheinen chinesische Investoren mit Anteilen von 20 Prozent an westlichen Unternehmen zufrieden zu sein - ein beträchtlicher Einfluss, aber kein beherrschender.

Keine Seite hat ein Interesse daran, dass Geschäft übers Knie zu brechen. Großbritannien hat 72 Milliarden britische Pfund in die Rettung der beiden Banken gesteckt, UKFI wird RBS und Lloyds nur ungern zu ihrem heutigen Kurs verkaufen wollen. Und eine weitere Kursrallye der beiden Banken dürfte noch eine Weile auf sich warten lassen. Die chinesischen Banken konzentrieren sich gegenwärtig auf das Kreditgeschäft in ihrem Heimatland. Aber wenn die Märkte sich erholen, sollte UKFI mit jedem sprechen, der Interesse zeigt.

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