Britische Banken
Gegenseitige Rettung

Die Banken sollten für ihre eigenen Rettungen zahlen. Mit dieser faszinierenden Idee wartet der stellvertretende Gouverneur der Bank of England, Paul Tucker, auf. So würden die Steuerzahler geschützt, und die Finanzinstitute würden sich vielleicht gar nicht erst in Gefahr begeben.
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Die Banken sollten für ihre eigenen Rettungen zahlen. Diese faszinierende Idee hat Paul Tucker, einer der stellvertretenden Gouverneure der Bank of England, in die Welt gesetzt. Auf diese Weise würden nicht nur die Steuerzahler vor den Kosten künftiger Torheiten der Banken geschützt. Dieser Plan könnte vielleicht sogar die Finanzinstitute von Vornherein davon abhalten, sich selbst in Gefahr zu begeben.

Es scheint eine unverbrüchliche, wenn auch bedauerliche Tatsache zu sein, dass die Regierungen alle paar Jahrzehnte den Banken zu Hilfe eilen müssen. Wenn das Bankensystem am Abgrund steht, kann man es nicht fallen lassen. Aber die Kosten für die Rettungsaktionen sollten nicht zu Lasten des Staatssäckels gehen.

Und da setzt Tucker an. Der Bankenbranche könnte im Voraus gesagt werden, dass im Falle einer künftigen Krise die Kosten letztendlich von den Finanzinstituten selbst getragen werden müssten. Mitten in einer Krise könnte man so natürlich nicht vorgehen. Eine Regierung müsste neues Kapital bereitstellen. Aber wenn sich der Staub wieder gelegt und die Regierung ihre Aktien verkauft hat, könnten die Verluste (falls welche entstanden sind) berechnet werden - und dann von der Branche mittels einer Abgabe eingesammelt werden.

Unbescholtene Banken würden zweifellos vehement gegen die Ungerechtigkeit protestieren, dass sie angezapft werden sollen, um ihre verschwenderischen Kollegen herauszupauken. Doch diese Vorgehensweise ist auf jeden Fall weit weniger unfair, als den Steuerzahlern an die Geldbörse zu gehen.

Natürlich sollte die erste Anlaufstelle die in Schwierigkeiten geratene Bank selbst sein. Ihre Aktionäre - und idealer Weise ihre Anleihe-Inhaber - sollten als Erste zur Kasse gebeten werden, bevor die umsichtigeren Branchenkollegen einspringen müssen. Doch wenn davon ausgegangen wird, dass der Zusammenbruch einer Bank ein Systemrisiko darstellt, wäre es absolut angemessen, den Rest der Branche aufzufordern, einen Beitrag zu leisten. Schließlich profitieren die anderen Finanzinstitute am allermeisten davon, wenn das System nicht kollabiert. Der Ansatz lässt sich in gewisser Hinsicht mit dem vieler Clearinghäuser vergleichen: Wenn ein Mitglied in Zahlungsverzug gerät, dann lassen die anderen Mitglieder den Hut herumgehen, um für dessen Schulden aufzukommen.

Darüber hinaus könnte das Wissen um eine solche Abgabe die Banken vielleicht von Vornherein davon abhalten, sich überhaupt in Schwierigkeiten zu begeben. Konservative Banken hätten eine starke Motivation, ihre ungestümeren Brüder genau im Auge zu behalten und sie an den Lehrer zu verpetzen.

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