Britische Banken
Go, Johnny, go!

Auf seinem letzten Posten hatte der ehemalige Investmentbankchef der RBS, Johnny Cameron, eine finanzielle Katastrophe zu verantworten. Jetzt macht es ihm die britische Finanzaufsicht schwer, bei Greenhill neu anzufangen. Die Reaktion der FSA stößt auf Resonanz. Aber bei so vielen Übeltätern wird es nicht leicht für sie, konsequent vorzugehen.
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Auch Banker sollten eine Chance auf Wiedergutmachung erhalten. Aber manchmal kann die Vergebung auch zu leicht erlangt werden. Dies scheinen die Gedankengänge der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA) im Fall des Johnny Cameron zu sein.

Cameron hat einst den Vorsitz über die globalen Bank- und Marktgeschäfte bei der Royal Bank of Scotland (RBS) geführt. Die Verluste dieser Abteilung spielten eine große Rolle dabei, dass die britische Regierung das Finanzinstitut retten musste. Die FSA hat Cameron, der die RBS verlassen hatte, als die Steuerzahler das Ruder übernahmen, gerade erfolgreich daran gehindert, einen neuen Job bei der in London ansässigen Investment Banking-Boutique Greenhill anzutreten.

Cameron sollte in beratender Funktion bei Greenhill tätig werden - es hätte also keine Gefahr für den Staatssäckel oder die Privatkunden bestanden. Aber die Finanzaufsicht hat Cameron nahe gelegt, so lange zu warten, bis die Untersuchung der Aufsichtsbehörden über den Zusammenbruch der RBS abgeschlossen ist. Das war zwar keine formale Sperre, aber es war eindringlich genug, um Cameron dazu zu veranlassen, sich aus den Gesprächen zurückzuziehen.

Cameron war direkt für einen großen Teil der Verluste der RBS über 24 Mrd. Pfund Sterling im Geschäftsjahr 2008 verantwortlich. Ein neuer Traumjob für ihn im Finanzdienstleistungsbereich wäre politisch inakzeptabel. Aber von politischen Aspekten einmal ganz abgesehen, gibt es andere schlagkräftige Argumente, Cameron davon abzuhalten, weiter Finanzdienstleistungen anzubieten. Nach seinen jüngsten Zeugnissen ist es schwer vorstellbar, wie er die Anforderung der Aufsichtsbehörden, "passend und geeignet" für Führungsaufgaben im Finanzbereich zu sein, erfüllen sollte. Diese Voraussetzung ist zwar im Besonderen bei Kontrollfunktionen relevant, spezifiziert als Kriterien aber auch den Ruf, die Kompetenz und die Fähigkeit.

Es steht aber noch mehr auf dem Spiel. Die Finanzspitzenkräfte, die zur Entstehung der Krise beigetragen haben, müssen auf angemessene Weise zur Verantwortung gezogen werden. Es wird wohl kaum als abschreckend empfunden werden, wenn ein Topmanager, der ein führendes Finanzinstitut so eklatant falsch gesteuert hat, in der Lage ist, seine Karriere postwendend bei einem anderen Unternehmen im Bankensektor wieder aufzubauen.

Es ist ein klares Prinzip, dessen konsequente Anwendung aber schwierig werden wird. Cameron ist ein Extremfall. Aber es gab so viele Verluste und so viele unfähige Banker. Sollen alle aus der Branche verbannt werden? Da werden diffizile Urteile zu fällen sein. Die FSA hat offenbar Jeremy Isaacs, dem ehemaligen Leiter von Lehman Brothers in Europa, die Genehmigung erteilt, eine neue Beratungsfirma zu gründen. Doch bei Lehman lagen die größten Probleme allerdings auch in den USA.

Unter sonst gleichen Umständen sollte Greenhill anheuern können, wenn auch immer die Firma will. Ihrer Meinung nach hat sich Cameron exkulpiert und das sollte genügen. Aber manchmal müssen solche privaten Einschätzungen durch das umfassendere öffentliche Interesse aufgehoben werden.

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