Britische Banken
Lloyds: Riskante Kapitalerhöhung

Mit einer Kapitalerhöhung um 10 Milliarden britische Pfund will Lloyds staatlicher Kreditgarantien reduzieren und sich der Regierungsaufsicht weitgehend entziehen. Wenn die befürchteten Massenverluste im Kreditgeschäft ausbleiben, fährt Lloyds mit der Kapitalaufnahme günstiger. Aber hinter dem "wenn" steht ein großes Fragezeichen.
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Es ist gut, dass die Banken ihr Selbstvertrauen inzwischen wiedergewonnen haben. Lloyds Banking Group zeigt sogar schon Zeichen der Überheblichkeit. In der Chefetage denkt man darüber nach, den Umfang der versprochenen Staatsgarantien - die vor fünf Monaten verhinderten, dass das Vertrauen in die Bank komplett zusammenbrach - wieder zurückzufahren. Nach den Plänen der Manager soll ein Teil der toxischen Positionen aus dem Versicherungsprogramm herausgelöst und stattdessen durch frisches Kapital privater Anleger abgesichert werden.

In einer vorläufigen Übereinkunft stimmte Lloyds im März zu, Vermögenswerte im Volumen von 260 Milliarden britischen Pfund durch staatliche Garantien schützen zu lassen. Das Abkommen sah vor, dass die Bank zunächst einen Verlust von bis zu 25 Milliarden Pfund selbst tragen muss und darüber hinausgehende Verluste zu 90 Prozent von den britischen Steuerzahlern getragen werden. 40 Prozent des Eingangsverlustes musste Lloyds inzwischen bereits verdauen.

Warum sich Lloyds jetzt aus dem Geschäft zurückziehen will, ist leicht nachvollziehbar. Die Bank geht davon aus, dass die Kosten für die Risikokredite in der ersten Jahreshälfte mit Abschreibungen in Höhe von 13,4 Milliarden Pfund ihren Höhepunkt bereits überschritten haben. Bei einem Betriebsgewinn von 6,2 Milliarden Pfund ohne Abschreibungen ist die Überlegung plausibel, dass weitere Verluste durch eine Kapitalerhöhung gedeckt werden könnten.

Das Argument wirkt umso überzeugender, als die Regierung für ihre Garantie eine Gebühr von 15,6 Milliarden Pfund verlangt. Sie ist in Form von B-Aktien zu entrichten, die in reguläre Aktien umgewandelt werden können und den öffentlichen Anteil an der Bank auf über 50 Prozent erhöhen. Damit aber begäbe sich CEO Eric Daniels ganz in die Hand des Staates. Auf der anderen Seite könnte sich Daniels durch eine erfolgreiche Kapitalerhöhung von seiner umstrittenen Entscheidung rehabilitieren, im vergangenen Jahr den Konkurrenten HBOS übernommen zu haben - durch den ein Großteil der Verluste bei Lloyds erst verursacht wurden.

Aber selbst ein teilweiser Rückzug aus dem staatlichen Asset Protection Scheme (APS) ist riskant. Kurz gefasst, wenn Lloyds nur halb so viele Vermögenswerte absichern wollte, wie ursprünglich angestrebt, müsste die Bank Kapital in Höhe von 19 Milliarden Pfund aufnehmen, um die gleiche Tier-1-Eigenkapitalquote zu erreichen, die sich unter dem staatlichen Garantieprogramm ergäbe. Die Bank of England zeigt sich weitaus weniger optimistisch als Lloyds. Jetzt schon von Extrem- auf Normalszenarien umzuschalten, ist zu früh. Wenn Lloyds über die Größenordnung einer eventuellen Kapitalerhöhung nachdenkt, muss die Bank also weit oben ansetzen.

Hinzu kommt, dass die Politiker daran erinnern werden, dass Lloyds schon von der Aussicht auf ein APS-Abkommen profitierte, selbst wenn kein offizieller Vertrag unterschrieben wurde. Das bedeutet, Lloyds sollte bereit sein, so etwas wie eine Zäsurgebühr zu zahlen. Wenn es der Bank gelingt, am Markt wieder Kapital aufzunehmen, dann sollten die Steuerzahler ihren Anteil daran erhalten: sie haben schließlich das Vertrauen erst wiederhergestellt, dass eine Kapitalaufnahme erst möglich macht.

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