Britische Banken
Von Brüssel ausmanövriert

Großbritannien wurde in der Europäischen Kommission ausmanövriert. Aber diejenigen, die darin eine Entmachtung der City durch einen früheren französischen Landwirtschaftsminister sehen, sollten sich in Bescheidenheit üben.
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Großbritannien wurde in der Europäischen Kommission ausmanövriert. Aber diejenigen, die jetzt eine Entmachtung der City durch einen früheren französischen Landwirtschaftsminister befürchten, sollten einmal darüber nachdenken, dass die Bankenrettung Großbritannien zu einer Dekade mit höheren Steuern bei geringeren Leistungen verdammt hat. Ein klein wenig Bescheidenheit wäre schon in Ordnung.

Die Bankenkrise hat die Grenzen der Londoner Laissez-faire-Haltung im Finanzsektor deutlich aufgezeigt. Jetzt wird klar, dass die Banker das Spiel "Bei Kopf gewinne ich, bei Zahl verlierst du!" gespielt haben. Statt also über Sarkozys Jubel über einen Franzosen auf dem Posten des EU-Binnenmarktkommissars zu klagen, sollte die City lieber ihre Lehren ziehen.

EU-Kommissar Michel Barnier muss seinerseits begreifen, dass Londons Hedgefonds und Risikokapitalgesellschaften nur eine untergeordnete Rolle in der Krise gespielt haben. Sie haben die Probleme verstanden und weitgehend wie Erwachsene darauf reagiert. Ihnen jetzt restriktive Regeln vorzuschreiben, wäre rachsüchtig, irrelevant und vollkommen ungeeignet, um das nächste Bankendesaster zu verhindern.

Barnier sollte erkennen, dass eine Kriegserklärung jetzt für keine europäische Metropole vorteilhaft wäre. Wenn die Finanzdienstleistungsbrache London jetzt den Rücken kehrt, dann bestimmt nicht, um nach Paris oder Berlin weiterzuziehen. Wenn, dann liegen die nächsten Ziele in der Schweiz, New York oder Hongkong.

Sarozys Ausbruch tut ihm jetzt vielleicht gut, könnte sich aber noch rächen. Barnier muss die EU-Interessen im Ganzen sehen. Er könnte versucht sein zu demonstrieren, dass er mehr will, als allein die französischen Interessen voranzutreiben.

Immerhin hat Sarkozy ein Argument auf seiner Seite. Die Franzosen haben die Krise besser überstanden als die Briten, die als einzige der größeren Volkswirtschaften noch in der Rezession verharren. Die City ist gemessen an ihrer Basis zu groß geworden. Sie saugt die Talente auf, die sich nach den Worten von Adair Turner, dem Chef der britischen Finanzaufsicht, in gesellschaftlich sinnvollen Bereichen engagieren könnten. Dafür zahlt sie einer Handvoll von Individuen Gehälter, die den sozialen Zusammenhalt des Landes gefährden. Die Steuerzahler, die jetzt die Zeche für ihre Aktivitäten zu zahlen haben, verstehen nicht, worin der Vorteil besteht, solche Dämonen unter sich zu haben.

Die größere Gefahr droht nicht aus Brüssel und von seinen Bürokraten, sondern von den Londoner Bankern, die den Unmut, den ihre Gehälter verursachen, nicht nachvollziehen können und die sich schon wieder so verhalten, als gälte längst wieder business as usual.

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