Britische Immobilienfonds
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Britische Immobilienfonds könnten dem Schlimmsten entgehen. Als in Deutschland 2005 die Preise für gewerbliche Immobilien fielen, mussten Immobilienfonds die Notbremse ziehen und eine Rücknahme von Fondsanteilen aussetzen. Der britische Immobilienmarkt wird schwächer, aber ähnlich drastische Maßnahmen sind nicht zu erwarten, dank der vertrauenswürdigeren Bewertungsmodelle der britischen Fonds.

Britische Immobilienfonds könnten um das Schlimmste herumkommen. Zugegeben, die Situation ist unerfreulich. Zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren erwirtschaften Gewerbeimmobilien negative Renditen, die Kapitalwerte fallen und offene Immobilienfonds verbuchen mehr Kapitalabflüsse als -zuflüsse. Aber so schlimm wie in Deutschland vor zwei Jahren wird es nicht kommen. Damals waren in Deutschland einige der größten offenen Immobilienfonds – bei denen Fondsanteile jederzeit zurückgegeben werden können –gezwungen, die Rücknahme von Anteilen auszusetzen, nachdem Investoren panikartig innerhalb eines einzigen Tages einige hundert Millionen Euro abgezogen hatten.

Ein solcher Run ist in Großbritannien eher unwahrscheinlich. Deutsche Investoren wurden Opfer eines fragwürdigen Bewertungssystems. Anstatt den Preis zu schätzen, den die Immobilien in der jeweils aktuellen Marktsituation erzielen können, versuchten die Fonds das Auf- und Ab der volatilen Märkte zu glätten. Als die Preise fielen, bewerteten die Modelle zu großzügig. Für die Investoren war das das Signal, Anteile zu verkaufen und Preise oberhalb des Marktniveaus einzustreichen.

Britische Fondsgesellschaften arbeiten mit Modellen, die stärker am Markt orientiert sind. Große Fonds wie der Norwich Property Trust und New Star veröffentlichen in jedem Quartal oder sogar monatlich den durchschnittlichen Wert ihres Immobilienbesitzes. Die Investment Property Databank veröffentlicht die aktuellen Werte auf ihrer Website, die 80 Prozent des Immobilienbesitzes in der Hand von Institutionen abdeckt.

Die britischen Fonds sind darüber hinaus besser auf Anteilsrückgaben vorbereitet. In Deutschland verfügten einige der Immobilienfonds über weniger als 5 Prozent Barreserven, bei Großbritanniens Fonds liegt der Anteil der liquiden Mittel bei bis zu 25 Prozent. Das Polster hat sich bereits bewährt. Seit dem Sommer sehen sich britische Fonds netto Rückzahlungen gegenüber. Der gewerbliche Immobilienmarkt in Großbritannien ist gegenwärtig nicht sehr verlockend. Die Preise sanken in den vergangenen beiden Monaten um 4 Prozent. Allerdings steigen die Mieten weiter und die Leerstände liegen im entscheidenden Markt London mit 4 Prozent immer noch auf niedrigem Niveau. In der Regel wird der Mietanstieg gestoppt, wenn die Leerstände auf 7 bis 8 Prozent anwachsen.

Für britische Immobilieninvestoren ist das allerdings kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Die überwiegende Zahl der Analysten rechnet für 2007 mit einem Rückgang der Gesamtrenditen auf Null von 18 Prozent im Jahr 2006. Der deutliche Rückgang der Geschäftsabschlüsse macht es den Experten zudem schwer, attraktive Objekte anzubieten. Daraus könnten noch Probleme entstehen. Aber das Alptraum-Szenario – Fondsmanager, die Immobilien zu Schleuderpreisen verschachern müssen und die Aussetzung von Anteilsrückgaben – ist noch weit entfernt.

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