Britische Kartelle
Wettbewerbshüter nehmen sich Manager vor

Die Wettbewerbsaufsicht will stärker von ihrer Befugnis Gebrauch machen, Managern auf die Finger zu klopfen, die in Preisabsprachen verwickelt sind. Der Ansatz ist teilweise pragmatisch: die Unternehmen, denen Verfehlungen vorgeworfen werden, können es sich gegenwärtig vielleicht gar nicht leisten, große Strafen zu zahlen. Aber der Vorstoß sendet auch ein Signal an Europa, dass die Wettbewerbswachhunde in Großbritannien immer noch Zähne haben zu beißen.
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Die Wettbewerbshüter mussten sich während der Krise zurückhalten und zusehen, wie die Regierungen ihre Kartellregeln zur Schau stellten. Der fühere Wettbewerbskommissar der EU, Mario Monti, beschwerte sich kürzlich, dass Wettbewerbsschutz heutzutage betrachtet werde als "Luxus, den man sich in Krisenzeiten nicht leisten kann." Aber jetzt, wo sich die Welt wieder der Normalität nähert, warten die Wettbewerbswachhunde sehnsüchtig darauf zu zeigen, dass sie immer noch beißen können.

Das britische Office of Fair Trading (OFT) will beweisen, dass es auch im Abschwung keine Unternehmen mehr schonen wird, die mit Preisabsprachen ihre Gewinnspannen verteidigen. Dazu will die Kartellbehörde sich nun verstärkt einzelne Mangager vornehmen - und nicht mehr nur die Unternehmen, die gegen die Regeln verstoßen.

Gegenwärtig kann die Aufsichtsbehörde einen Manager nur ausschließen, wenn er persönlich und direkt in Kartellrechtsverstöße verwickelt ist. Nach den neuen Vorschlägen soll die Strafe auch gegen Führungskräfte verhängt werden können, die "von einem Verstoß hätten wissen müssen, jedoch keine Kenntnis davon hatten".

Mit der höheren Gefahr eines Karriere beendenden, 15-jährigen Wettbewerbsausschlusses vor Augen, werden sich die Manager in Zukunft genauer überlegen, was sie mit ihren Kollegen von der Konkurrenz besprechen wollen. Und vorausschauende Individuen sollten starke Abwehrmaßnahmen gegen wettbewerbsbeeinträchtigende Verhaltensweisen unterstützen, ohne gleich Finanznöte in ihren rezessionsbebeutelten Branchen heraufzubeschwören.

Die Bestrafungsformen der Vergangenheit könnten im heutigen Wirtschaftsumfeld mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Die 122-Millionen-Pfund-Buße, die British Airways 2007 zahlen musste, wäre heute eine große Last für das Unternehmen, das Notmaßnahmen ergreifen musste, um seine Bilanz zu stützen. Die britische Bauindustrie, die verdächtigt wird, Angebote abgesprochen zu haben, ist kaum in einer besseren Situation.

Aber die härtere Gangart ist auch ein Signal dafür, dass Großbritannien es mit dem Wettbewerbsschutz ernst meint. Die Regierung setzte das Kartellrecht aus, um es Lloyds TBS während der Lehman-Krise zu ermöglichen, die Konkurrenzbank HBOS zu retten - ein Schritt, der das OFT veranlasste, Bedenken anzumelden. Jetzt, wo Europa droht Lloyds aufzuspalten und im September ein neuer Wettbewerbskommissar ernannt wird, hat die Wettbewerbsaufsicht gute Gründe zu demonstrieren, dass sie ihrer Zeit voraus ist.

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