Britische Preisentwicklung
Vor die Hunde gegangen

Niedrige Preise klingen gut und kommen doch teurer, als angenommen. Viele britische Renten, Bonusse und Löhne korrelieren mit dem fallenden Retail Prices Index (RPI), entsprechend dem deutschen Erzeugerpreisindex. Großbritanniens Einkünfte und Steuereinnahmen werden so verbleiben, doch wie will die Regierung ihre explodierenden Schulden bezahlen?
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Derzeit spiegelt sich die Deflation nur im RPI wider, der auch Hypothekenzahlungen enthält. Der Lebenshaltungskostenindex CPI (Consumer Price Index) hingegen lag im April bei jährlich 2,3 Prozent und damit über den von der Bank of England angepeilten zwei Prozent.

Die drohende Deflation ist keine Erfindung der Ökonomen. Der RPI lag im April um 1,2 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat, der CPI wird ihm folgen. Man richtet sich für eine lange Zeit auf einen sehr niedrigen, vielleicht sogar negativen Index ein. Es besteht die Gefahr eines Teufelskreises aus niedrigen Löhnen, geringem Konsum, steigender Arbeitslosigkeit und hoher Verschuldung.

Diese Gefahr droht der britischen Wirtschaft, die trotz jüngster steiler Anstiege an Börse und Pfundkurs antriebslos scheint. Der Immobilienmarkt kann diese Situation nicht retten. Im März nahmen die Menschen zwar noch mehr Hypotheken au, doch die Prognose des Council of Mortgage Lenders liegt für 2009 mit 145 Mrd. Pfund unter dem Wert von 2001. Das wird einen Markt nicht stützen, in dem der Häuserpreis zwischen 2000 und 2007 um durchschnittlich schwindelerregende 131 Prozent stieg.

Fallende Preise, gesenkte Löhne, eine geringe Hypothekenaufnahme und eine Produktion auf dem Level von 1993: Erinnerungen an die 1930er Jahre werden wach. Die Bank of England kämpft mit minimalen Zinsen und 125 Mrd. frisch gedruckten Pfundnoten dagegen an. Die Staatsverschuldung hat eine Höhe erreicht wie nie zuvor in Friedenszeiten.

Greifen die Maßnahmen, steht eine langsame Erholung bevor. Doch das Staatsdefizit könnte einer Finanzierungskrise Vorschub leisten. Dann wäre der einzige Ausweg das neuerliche Drucken von frischem Geld. Die Immobilienblase und die darauffolgende Deflation würden dann bald von einer hohen Inflationswelle fortgespült.

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