Britischer Einzelhandel
Marks and Spencer: Ruhe vor dem Sturm

Die Umsätze des britischen Einzelhändlers sinken langsamer. Das allein klingt schon nach einem Erfolg, ist aber allein der Tatsache geschuldet, dass die Umsätze im vergangenen Jahr so schnell einbrachen. Hinzu kommt, dass die gesamte Branche vom wieder freundlicheren Konsumklima profitiert. Marks-&-Spencer-Chef Stuart Rose sollte nicht den Fehler machen zu glauben, der Druck sei nun vorüber.
  • 0

Sir Stuart Rose sollte jetzt noch nicht erleichtert aufatmen. Der Umsatzrückgang hat sich im ersten Quartal zwar abgeschwächt, aber dieser Erfolg ist kaum dem Marks-and-Spencer-Chef zuzurechnen. Er ist vielmehr dem rapiden Absatzrückgang im vergangenen Jahr zu verdanken. Rose und die gesamte M&S-Führungsriege - die unter dem Vorwurf stehen, Good-Governance-Regeln (Regeln der verantwortungsvollen Unternehmensführung) mit Füßen zu treten - könnten sich also irren, wenn sie glauben, das der Druck nun allmählich weichen werde.

Das Geschäft mit Premium-Nahrungsmitteln, das etwa mit einem Drittel zum M&S-Umsatz beiträgt, entwickelte sich zur großen Überraschung des Quartals. Die Nahrungsmittelumsätze auf vergleichbarer Fläche fielen in den 13 Wochen bis zum 27. Juni nur noch um 0,5 Prozent, nach einem Minus von 3,7 Prozent im vorangegangenen Quartal. Damit konnte der Rückgang der Konzernumsätze auf 1,4 Prozent begrenzt werden.

Die guten Umsatzzahlen sind wichtig für Rose, dem am 8. Juli eine voraussichtlich unangenehme Hauptversammlung bevorsteht. Zu verdanken sind die besseren Ergebnisse einerseits Werbekampagnen, dem Ostergeschäft, dem wärmeren Wetter und einer großangelegte Jubiläumskampagne. Andererseits profitiert aber auch die gesamte Branche vom wieder freundlicheren Konsumklima.

Die Erholung im Handelsgeschäft gab es nicht umsonst. Die Bruttomargen schrumpften deutlich zusammen - vor allem in der Lebensmittelsparte, wo die Spanne um fast 300 Basispunkte sank.

Tatsache ist, dass es M&S nicht gelang, in der Rezession Boden gutzumachen, wie zum Beispiel J Sainsbury. Die Supermarktkette im mittleren Preissegment sammelte gezielt Verbraucher ein, die von den Premiumanbietern kamen und nach günstigeren Alternativen suchten.

Ein freundlicher Bericht allein wird nicht reichen, um Rose und seine M&S-Mannschaft aus der Schusslinie zu holen. Den Anlegern ist verständlicherweise nicht wohl dabei, dass Rose an der Doppelrolle als CEO und Chairman festhält, obwohl die Grundsätze guter Unternehmensführung nach einer Trennung verlangen. Mit steigenden Arbeitslosenzahlen und der Aussicht auf höhere Steuern wird die zweite Jahreshälfte wohl kaum zum Spaziergang. M&S braucht neue Ideen, um den Aufwärtstrend aufrechtzuerhalten.

Dass die Nachfolgeplanung bei M&S beschleunigt werden muss, sollte selbstverständlich sein. So sollte im kommenden Jahr ein unabhängiger Verwaltungsratsvorsitzender bestimmt werden, der die Wahl des nächsten CEO koordiniert. In der Zwischenzeit könnten zumindest unabhängige Bereichsleiter eingesetzt werden, die hart durchgreifen können. Rose allerdings nutzte den Bericht, um zu bekräftigen, dass er sich noch bis ins Jahr 2011 in der Führungsrolle sieht. Grund, so herausfordernd zu klingen, hat er bisher allerdings nicht.

Kommentare zu " Britischer Einzelhandel: Marks and Spencer: Ruhe vor dem Sturm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%